Robert Shiller ist einer der Stars von Davos. Der Ökonomieprofessor von der Yale-Universitaet hat die große Krise vorhergesagt - vor allem, weil er früh sah, wie sich in den USA und andersorts eine nie dagewesene Immobilienblase bildete. Eine richtige Vorhersage kann Zufall sein, aber Shiller hat auch schon das Platzen der New-Economy-Blase 2001 vorhergesagt. Warum?

Shiller hat sich nie nur auf die klassischen Wirtschaftsmodelle verlassen, sondern immer auch das tatsächliche Verhalten mitgedacht. Auf diese Weise sieht er Prozesse kollektiver Begeisterung und Übertreibung schon im Entstehen.

Die harten Daten einer Volkswirtschaft allein könnten die Abfolge von Boom und Zusammenbruch nicht erklären, meint er. Die Psychologie der Menschen sei ganz entscheidend, und zwar nicht bloß individuell, sondern auch und gerade in der Masse.

So fällt es den meisten von uns ungeheuer schwer, sich einer Massenbegeisterung oder Massenangst zu entziehen. Selbst Anleger, die ein Unheil erahnen, handeln oft nicht, weil sie keine harten Argumente haben, um die Masse zu widerlegen. So kommt es, dass die Reaktion erst einsetzt, wenn das Desaster sichtbar wird - an der Börse ebenso wie im weiteren Bereich der Wirtschaft.

Wenn Shiller recht hat, und dafür spricht vieles, brauchen wir tatsächlich neue Theorien über die großen Bewegungen der Volkswirtschaft.

Diese Theorien werden wohl einen Faktor aufnehmen müssen, der hier in Davos eine große Rolle spielte: Furcht. Die kollektive Angst macht die Krise schlimmer und könnte auch eine jahrelange Wirtschaftsdepression auslösen.

Und keiner hat so recht eine Antwort auf die Frage, wie man kollektive Angst bekämpft. Durch Erfolgsmomente der Demokratie wie etwa die Wahl Barack Obamas? Davon gehe schon ein Moment der emotionalen Stärkung für viele hervor, sagen die Psychologen, die dieses Jahr in ungewohnt großer Zahl nach Davos eingeladen wurden. Doch die Skepsis gegenüber der Demokratie und der Fairness der Wirtschaft sei immens, warnen sie. Und das sei vielleicht das größte Hindernis auf dem Weg zur ökonomischen Genesung.

Uwe Jean Heuser, Wirtschaftsressortleiter der ZEIT, und Josef Joffe, Herausgeber,  berichten täglich vom Weltwirtschaftsforum in Davos