Was für eine Eröffnung des diesjährigen World Economic Forum in Davos. Erst sprach der chinesische Premier Wen Jiabao, danach der russische Regierungschef Wladimir Putin. Die Unterschiede hätten größer kaum sein können.

Der Chinese versuchte Optimismus zu verbreiten und erklärte im Detail das chinesische Programm gegen die Wirtschaftskrise, um diesen Optimismus auch zu begründen. Dann beschwor er fast den Fortgang der Globalisierung, von der sein Land so immens profitiert.

Jiabao kritisierte die USA als Urheber der Krise nur indirekt und lud die Obama-Regierung zur Zusammenarbeit ein. Auch die dann folgenden kritischen Fragen brachten ihn nicht aus der Ruhe.

Der Russe dagegen schimpfte erst einmal ausgedehnt auf Amerika, von dem die Weltwirtschaftskrise ausging. Viel Zeit verwandte er auch auf den Ausbau der Energieinfrastruktur in und um Russland. Da ging sein Bekenntnis, das russische Finanzsystem sei hart getroffen und müsse modernisiert werden, ebenso fast unter wie die Erklärung des eigenen Rettungsprogramms für die russische Volkswirtschaft.

Auf die erste Frage reagierte Putin geradezu feindselig. Der Frager hatte unterstellt, Russland könne vielleicht Hilfe gebrauchen im Aufbau des Internet. Hilfe bräuchten die Armen der Welt, schoss der Ministerpräsident zurück, nicht die gut ausgebildeten Russen.

Doch so unterschiedlich die Reden und Redner auch waren - beide richteten sich vor allem an ein Land, dessen Regierung in Davos so gut wie nicht anwesend ist: die Vereinigten Staaten. Sie sollen Verantwortung übernehmen, von ihrem hohen Weltmachtross herunterkommen, die großen Schwellenländer als gleichwertige Partner akzeptieren.

Barack Obama ist zwar in Washington, DC. Aber gleichwohl dient er in Davos als die große Projektionsfläche für harsche Kritik an den USA und für viele Wünsche für die Zukunft.

Die Krise verlangt, dass die Welt tatsächlich kooperiert. Aber es ist, auch nach dem ersten Tag hier, keineswegs ausgemacht, dass die großen Akteure wirklich zusammenarbeiten. China fürchtet amerikanischen Protektionismus, Russland verlangt Schuldeingeständnisse und eine Rückkehr zu einer Wirtschaftsordnung, die reale Werte betont - und die USA wollen ihre ökonomische Führungsrolle keineswegs abgeben.

Das ist das eigentliche Thema von Davos: Kommen die Großen zusammen, oder lassen sie sich auseinanderdividieren?

Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, und Uwe Jean Heuser, Wirtschaftsressortleiter, berichten täglich vom Weltwirtschaftsforum in Davos