Es begann als Fußball-Märchen. Nicht das Geld, sondern die Fans sollten das Sagen haben beim Fünftligisten Fortuna Köln. Durch die Mitgliedschaft bei deinfussballclub.de, so die Idee, üben idealistische Fußball-Liebhaber die Macht über den Verein aus, Jahresbeitrag 40 Euro. Es sollte wie beim Vorbild der englischen Fußballfan-Seite myfootballclub funktionieren, die im Jahr 2007 den Klub Ebbsfleet United auf gleiche Weise übernommen hat. In einer Epoche, in der Milliardäre Klubs an sich reißen, suchten bislang mehr als 30.000 englische Fans nach einem Weg, sich ihren Fußball zurückzuholen. Ein gutes Vorbild. "Alle Macht geht vom Volke aus", kommentierte zum Start von deinfussballclub.de die Frankfurter Rundschau die Idee.

Heute ist klar, es war eine Fehleinschätzung. Dem Enthusiasmus ist Ernüchterung gefolgt. David Orfgen, ein einstiger Anhänger von deinfussballclub.de, sagt: "Für mich klang das nach ursprünglichem Fußball. Das ganze Drumherum im Profifußball ist mir einfach zu viel geworden. Ich habe mich blenden lassen. Hier geht es nicht um die Fortuna, sondern nur darum, Geld zu verdienen."

Mit einem basisdemokratischen Gegenentwurf zur Kommerzherrschaft hat deinfussballclub.de wenig zu tun. Hinter der Community stehen kühl kalkulierende Investoren. "Sicher wollen wir Geld verdienen. Wir investieren auch sechsstellige Beträge in das Projekt. Das ist ein großes Investment", sagt Dirk Daniel Stoeveken, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der deinfussballclub.de DFC GmbH. Über seine Stoeveken Beteiligungsgesellschaft mbH gehören ihm 40 Prozent der Anteile an der DFC GmbH, weitere 40 Prozent hält Dr. Peter Josef Felden, der zweite DFC-Geschäftsführer. Die restlichen 20 Prozent gehören der Kölner Investmentfirma MWS Invest GmbH.

Rückblick: Im Dezember hat der S.C. Fortuna Köln e.V. auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, seine Erste Mannschaft in die Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH auszugliedern. 51 Prozent daran behält die Fortuna, 49 Prozent übernimmt die deinfussballclub.de DFC GmbH. Und wird so neben dem Verein zum neuen Machtzentrum. Denn den Fans sind keinerlei relevanten Rechte garantiert. "Juristisch betrachtet schließen sie einen reinen Nutzungsvertrag mit den Betreibern des Portals ab. Sie erwerben aber weder eine Mitgliedschaft noch eine Beteiligung", sagt der Frankfurter Anwalt Dr. Thomas Dehesselles, ein Spezialist für Sport- und Zivilrecht. "Was den Nutzern an Rechten eingeräumt wird, bestimmt ausschließlich der Betreiber des Portals."

Der beteuert, dass alle Entscheidungen umgesetzt würden. "Außer, die Fans schlagen eine Abstimmung darüber vor, dem nächsten Gegner keine Umkleidekabine zur Verfügung zu stellen. So etwas würden wir selbstverständlich nicht machen", sagt Stoeveken. Fortuna-Präsident Klaus Ulonska versichert: "Wir werden jeden Abstimmungsbeschluss umsetzen, wenn er realistisch ist. Entscheiden die Fans, dass wir Podolski kaufen sollen, können wir das natürlich nicht ernst nehmen."

Aber wie ernst nimmt Stroeveken die Fans wirklich? Dass er mit Absurdem argumentiert, ist bloß ein rhetorischer Kunstgriff. Ein Kniff, um zu vertuschen, dass die Macht nicht bei den Fans liegt. "Der Betreiber der Plattform allein entscheidet, worüber überhaupt abgestimmt wird", sagt Dehesselles. "Und dann entscheidet er, ob er das Abstimmungsergebnis auch befolgt." Der Jurist, der viele Erst- und Zweitligisten bei der Ausgliederung ihrer Mannschaften in Kapitalgesellschaften beraten hat, weist auf weitere Tücken in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hin.