Wer dem Wahlkampfleiter der FDP zuhört, bekommt den Eindruck, die Liberalen hätten das Internet verstanden. "All jene, die das Netz nur als zusätzliches Informationsmedium begreifen, als Schaukasten, werden scheitern", sagt Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz. Man müsse raus aus der Sandkiste: "Das Internet ist ein Dialogmedium."

Mit dem Wunsch von Usern, an den Inhalten der Partei mitzuarbeiten, hat Beerfeltz kein Problem. Je mehr Menschen an einem Parteiprogramm beteiligt seien, desto mehr Sachverstand komme doch zusammen: "Keiner weiß mehr als alle." Kontrollverlust? "Wir freuen uns darauf!" Angst vor Kritik? "Jeder kann beliebig über unseren Vorsitzenden Westerwelle schimpfen. Wir machen keine Zensur."

Klingt gut. Und sieht auf den ersten Blick auch gut aus. Die FDP bloggt , die FDP twittert , sie hat aktive Gruppen in den Communitys, sie pflegt einen YouTube-Kanal, der nicht nur abgefilmte Reden zeigt, sie verfügt über ein Wiki für das Parteiprogramm und sie hat ein eigenes Mitmachernetzwerk aufgebaut .

Wer sich allerdings die Seiten genauer anschaut, könnte auf den Gedanken kommen, dass einige der Ideen nur in den Köpfen existieren und noch nicht im Netz. Beispiel Community: Seit August 2008 ist auf der Facebook-Seite der Partei nicht mehr viel passiert. Keine Terminhinweise, keine Informationen, keine Links zu anderen Seiten.

Beispiel YouTube: Dort stehen kleine Filme, eine Art liberaler Miniserie, "Fricke & Solms" heißt die. Es treten dabei auf: Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms und der Haushaltsausschussvorsitzende Otto Fricke, zwei dunkle Anzüge, zwei Ikea-Schreibtische und ein Thema namens Steuern. Hübsche Idee, Parteigranden vor einer Kamera plaudern zu lassen. Haben Hauser und Kienzle schon im Fernsehen vorgemacht, das Format gibt einiges her. Wenn man etwas zu sagen hat. Das aber ist nicht so einfach, wie die Protagonisten in der bislang letzten Folge gemerkt haben. Zitat:

Fricke: "Was machen Sie, wie wollen Sie den Leuten helfen?"

Solms: "Steuern senken."

Fricke: "Wenn Ihnen mal was anderes einfallen würde ..."