Der französische Außenminister Bernard Kouchner ist unter den Verdacht der Geschäftemacherei mit afrikanischen Diktatoren geraten. Der Journalist Pierre Péan wirft dem Gründer der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen darin vor, öffentliche und private Interessen vermischt zu haben. Die Sozialisten, denen Kouchner bis zu seinem Eintritt in die Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy angehörte, fordern nun Aufklärung.

Kouchner ist wegen seines langjährigen humanitären Engagements an allen Brennpunkten der Erde mit Abstand der beliebteste Minister Sarkozys. Péan wirft ihm nun vor, 2002 bis 2007 als Berater in Afrika für die privaten Firmen Africa Steps und Iméda gearbeitet zu haben, während er für die Zusammenarbeit Frankreichs mit Hospitälern in Afrika zuständig war. Dabei geht es um Millionengeschäfte mit den Präsidenten Omar Bongo (Gabun) und Denis Sassou-Nguesso (Kongo).

Es bestehe der Verdacht eines Interessenkonflikts, erklärte der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg. "Bernard Kouchner wird vorgeworfen, Gebühren von afrikanischen Diktatoren bezogen zu haben. Für den Außenminister einer großen Nation ist das sehr peinlich." PS-Chefin Martine Aubry bescheinigte Kouchner aber, "ein ehrenwerter Mensch" zu sein. Péan hat sich mit Enthüllungen über die Tätigkeit des späteren französischen Präsidenten François Mitterrand während des Zweiten Weltkriegs, Korruptionsskandalen in Afrika und Affären um den Ölkonzern Elf einen Namen gemacht.