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Es war CDU-Kanzlerin Angela Merkel selbst, die der Debatte vor gut einem Jahr den entscheidenden Anstoß gab. "Warum wird mit Geld überschüttet, wer auf ganzer Linie versagt hat?", empörte sie sich mit Hinblick auf hohe Managerabfindungen auf dem CDU-Parteitag in Hannover im Dezember 2007. Seither drängte die SPD, den Worten müssten auch Taten folgen. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise, die nach übereinstimmender Ansicht nicht zuletzt von der Gier von Bankern und Managern ausgelöst wurde, erhöhte zusätzlich den Druck, bei der Gestaltung von Managergehältern aktiv zu werden.

Am Mittwoch nun hat die Koalitionsarbeitsgruppe, die mit der konkreten Umsetzung befasst war, ihre Arbeit abgeschlossen. In zentralen Punkten konnte sie allerdings keine Einigung erzielen.

So konnte sich die SPD nicht damit durchsetzen, die steuerliche Abzugsfähigkeit der Vorstandsbezüge und Abfindungen von den Betriebsausgaben zu begrenzen. Dies hätte ein Anreiz sein können, keine Gehälter jenseits der festgelegten Grenze zu zahlen. Rechtlich wäre dies möglich gewesen. Die Union war jedoch vom Nutzen eines solchen Eingriffs nicht überzeugt. In den USA sei diese Regelung bereits getestet worden, heißt es aus der Unionsfraktion. Einziger Effekt sei jedoch gewesen, dass anstelle der Gehälter Boni und Optionen, die weiterhin voll absetzbar waren, gestiegen seien.

Nicht durchsetzen konnten sich die Sozialdemokraten bislang auch mit dem Vorhaben, die Unternehmensführung auf ein wie auch immer geartetes "Allgemeinwohl" zu verpflichten. Die Union sieht darin jedoch einen Verstoß gegen das marktwirtschaftliche Grundprinzip, wonach das öffentliche Interesse Sache des Staates sei, während Unternehmen nun mal dazu da seien, private Interessen zu verfolgen.

Am 4. März werden sich nun die Spitzenpolitiker beider Parteien im Koalitionsausschuss mit dem Thema beschäftigen. Die Union plädiert allerdings dafür, die strittigen Fragen auszuklammern und lieber die Punkte, über die Einigkeit besteht, schnell umzusetzen. Ein "Kuhhandel" solle vermieden werden.

Konsens besteht beispielsweise darüber, dass Manager Aktienoptionen künftig erst nach vier statt wie bisher nach zwei Jahren einlösen können sollen. Auf diese Weise soll in den Vorstandsetagen der großen Unternehmen langfristiges Denken gefördert werden. Allzu viel Lenkungswirkung sollte man davon aber wohl nicht erwarten. So wurde bei Lehman-Brothers, also der Bank, deren Zusammenbruch die gegenwärtigen Krise mit ausgelöst hat, über die Hälfte aller Boni in Aktien vergütet, die sogar eine Haltefrist von fünf Jahren hatten.

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Einig sind sich CDU und SPD auch darin, dass die Herabsetzung von Vorstandsvergütungen durch den Aufsichtsrat erleichtert werden und Haftungsbestimmungen für die Aufsichtsratsmitglieder verschärft werden sollen. Zwar gibt es solche Regelungen auch bisher schon, sie wurden allerdings wenig angewandt. In dieser Hinsicht könnten die Wirtschaftsskandale der letzten Zeit allerdings ein Umdenken bewirken. Das Beispiel Siemens, wo derzeit ein neuer Vorstand gegen den alten vorgehe, könnte einen "Kulturwandel" bewirken, hofft zum Beispiel Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).

Zudem wollen die Koalitionäre für mehr Transparenz bei der Vergütung sorgen. So soll künftig der gesamte Aufsichtsrat und nicht nur wie bisher ein kleiner Ausschuss die letzte Entscheidung über Vorstandsverträge treffen.

In einem weiteren Schritt müssen sich möglicherweise auch Fernsehmoderatoren und Spitzensportler auf Offenlegung ihrer Bezüge einstellen. Grundsätzlich sind Union und SPD sich nämlich einig, dass es mehr Klarheit bei Vergütungen in staatlich dominierten Unternehmen, bei öffentlich-rechtlichen Sendern sowie in den Profiabteilungen der Sportvereine geben soll. Um die Änderungen bei den Managergehältern nicht zu verzögern, sollen entsprechende Regelungen aber erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden.