Lange hatte sie gezögert, nun fand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klare Worte: Papst Benedikt XVI. müsse klarstellen, wie der Vatikan zur Diskussion um den Holocaust stehe. Dies sei aus ihrer Sicht "noch nicht ausreichend erfolgt". Wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entstehe, dass der Holocaust geleugnet werden könne, dürfe dies nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben, sagte sie am Dienstag in Berlin. "Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann." Sie bewerte im Allgemeinen keine innerkirchlichen Entscheidungen. Hierbei gehe es aber um eine Grundsatzfrage, betonte die Regierungschefin.
Entzündet hatte sich die Kontroverse an der Entscheidung Benedikts, die von seinem Vorgänger Johannes Paul II. vor 20 Jahren verfügte Exkommunikation von vier Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft aufzuheben. Unter ihnen ist auch der Brite Richard Williamson, der den Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden und die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern offen leugnet. Die Entscheidung löste unter Überlebenden des Holocausts, progressiven Katholiken, US-Kongressabgeordneten und dem Zentralrat der Juden in Deutschland einen Sturm der Empörung aus.
Die Teilrehabilitierung der Bruderschaft sei "ein Signal für die Vergiftung und gegen die Versöhnung, für die Kälte und gegen jede Herzlichkeit", kritisierte der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, den Vatikan. Benedikt XVI. müsse diese Entscheidung "klar und unzweideutig zurücknehmen". Neben der Holocaust-Leugnung müsse auch bedacht werden, dass die traditionalistische Piusbruderschaft fundamentalistisch, antisemitisch und reaktionär sei.
Auch aus den eigenen Reihen gerät Benedikt XVI. zunehmend unter Druck. Der für die Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal Walter Kasper warf dem Vatikan schlechtes Management und mangelnde Kommunikation vor. "Man hat da vorher im Vatikan zu wenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten könnten", sagte Kasper im deutschen Programm von Radio Vatikan. "Es hintendrein zu erklären, ist natürlich immer viel, viel schwieriger, als wenn man das vorher gleich gemacht hätte." Dabei nahm er auch Bezug auf ähnliche "Betriebsunfälle" des deutschen Pontifex - wie die Regensburger Rede, die 2006 durch ein Islam-Zitat Proteste in der islamischen Welt ausgelöst hatte.
Lange hatte sie gezögert, nun fand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klare Worte: Papst Benedikt XVI. müsse klarstellen, wie der Vatikan zur Diskussion um den Holocaust stehe. Dies sei aus ihrer Sicht "noch nicht ausreichend erfolgt". Wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entstehe, dass der Holocaust geleugnet werden könne, dürfe dies nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben, sagte sie am Dienstag in Berlin. "Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann." Sie bewerte im Allgemeinen keine innerkirchlichen Entscheidungen. Hierbei gehe es aber um eine Grundsatzfrage, betonte die Regierungschefin.