Der Vatikan hat den britischen Bischof Richard Williamson dazu aufgerufen, seine umstrittenen Holocaust-Äußerungen zu widerrufen. Williamson müsse "in unmissverständlicher Weise öffentlich Abstand nehmen von seinen Erklärungen zur Shoah", teilte der Vatikan mit. Andernfalls dürfe Williamson nicht als Prälat in der katholischen Kirche dienen.

"Die Äußerungen von Monsignore Williamson sind absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt", hieß es weiter. Papst Benedikt XVI. sei nicht bekannt gewesen, dass Williamson den Völkermord der Nationalsozialisten an sechs Millionen europäischen Juden geleugnet habe. Der deutsche Papst hatte am 24. Januar die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Geistlichen der ultrakonservativen Pius-Brüderschaft aufgehoben. Das hatte weltweiten Protest hervorgerufen.

Der deutsche Pontifex habe mit der Rücknahme der Exkommunikation der Traditionalisten-Bischöfe im Sinne der Einheit der Kirche reagiert, teilte der Vatikan weiter mit. Man habe wohlwollend auf wiederholte Nachfragen der Priesterbruderschaft St. Pius reagiert. Die Teilrehabilitierung der Traditionalisten habe die vier Bischöfe zwar von einer "schweren Strafe nach kanonischem Recht befreit", ihnen aber nicht ihre Funktionen innerhalb der Kirche zurückgegeben. Die Bischöfe hätten noch kein Recht, ihr Bischofsamt auszuführen.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bezeichnete die Reaktion als "ersten Schritt in Richtung einer Wiederaufnahme des Dialogs". Der Vatikan habe deutlich gemacht, dass die Pius-Bruderschaft nur dann von der Kirche anerkannt werde, wenn sie sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekenne. Die Pius-Brüderschaft müsse sich nun von ihren Aussagen distanzieren. Zuvor hatte der Generalsekretär des Zentralrats ähnlich argumentiert, zugleich aber Konsequenz angemahnt: Es gehe nicht nur um Williamson, sondern um die Grundsatzfrage des Umgangs mit der Pius-Bruderschaft. 

Der TV-Moderator und frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, griff Benedikt XVI. scharf an. "Der Papst ist unglaubwürdig, ein Lügner und ein Heuchler, wenn er den Menschen einerseits verkaufen möchte, er stünde auf der Grundlage der Kooperation, des Zusammenlebens zwischen Juden und Christen, er kämpfe gegen jeden Antisemiten in der Welt und er kämpfe gegen jeden Holocaust-Leugner, aber mitten im Vatikan genau diese Leute mit offenen Armen aufnimmt", sagte Friedman am Mittwoch im Hessischen Rundfunk. Der Papst mache sich die Hände schmutzig, wenn er diese Leute umarme. Solange der Papst die Rehabilitation des Holocaust-Leugners Williamson nicht rückgängig mache, gebe es kein Gespräch und keinen Dialog mehr zwischen Juden und Katholiken, sagte Friedman.

Papst Benedikt XVI. selbst war auf seiner Generalaudienz im Vatikan am Mittwochvormittag mit keinem Wort auf den Disput über die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners eingegangen. Auch auf die Aufforderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, "sehr eindeutig" zu erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe, reagierte er nicht.