Für Papst Benedikt war die Rehabilitierung von vier Bischöfen der Bruderschaft Sankt Pius X. eine Herzensangelegenheit. Er wollte endlich eine Wunde schließen, die er als Kardinal nicht heilen konnte. Die Abspaltung der Traditionalisten unter Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988.  Nun steht der Papst weltweit in der Kritik, weil er auch den englischen Bischof und Holocaust-Leugners Richard Williamson rehabilitierte. Der Protest überdeckt, dass die Pius-Bruderschaft seit Jahren in Frankreich Skandal um Skandal auslöst. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Kontakt zu Neonazis, Kirchenbesetzung, Missachtung von weltlichen Gerichten. Geschadet hat das der erzkonservativen Vereinigung bislang kaum.

Im Internet, bei Festen und in Broschüren präsentiert sich die Pius-Bruderschaft als wohltätige Gesellschaft: Sie rette alte Kapellen vor dem Verfall, wolle lediglich die Traditionen der römisch-katholischen Kirche bewahren und junge Leute für ihre Gottesdienste und dem Dienst für Gott begeistern. Und in Zeiten, in denen die christlichen Gemeinden über Mitgliederschwund und Priestermangel klagen, Gotteshäuser verkaufen müssen und ihr Einfluss auf die Gesellschaft schwindet, scheinen auch Vertreter der Amtskirche in der  Bruderschaft eine Art Jungbrunnen zu sehen.

Doch der Schein trügt. Dem Neuen tritt die Bruderschaft nicht aufgeschlossen gegenüber. Sie setzt auf Messen auf Latein, nach dem tridentinischen Ritus. Die Pius-Bruderschaft sieht andere Religion nicht als gleichberechtigt an und akzeptiert nur einen Heilsweg – den eigenen. Die Ökumene, Laien-Mitarbeiter in der Kirche und wichtige Ämter für Frauen lehnen die Traditionalisten strikt ab.

Das Wiederbeleben von 500 Jahre alten Riten brachte die Pius-Bruderschaft in Verruf und führte zu einem Konflikt mit der katholischen Amtskirche. Dieser eskalierte 1988. Der Papst nahm den Bischöfen der Bruderschaft alle Rechte. Nun befinden sich die Erzkonservativen wieder im Schoß der Kirche und bereiten Papst Benedikt mit offen geäußertem Antisemitismus große Probleme.

Für Aufregung sorgte die Bruderschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. In Paris erstürmten Lefebvres Anhänger 1977 die Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet und besetzen sie bis heute. Das Gebäude gehört der Stadt Paris, die gegen die Besetzer klagte. Obwohl die Bruderschaft per Gerichtsbeschluss zur Räumung aufgefordert wurde, blieb sie dort. Ihre Mitglieder nutzen die Kirche intensiv – sonntags werden dort sieben Messen gefeiert. 1993 versuchten Anhänger Lefebvres eine weitere Kirche in Paris zu besetzten, mussten ihren Versuch jedoch aufgeben.