Die Mitglieder hätten ein Recht, auf eigene Gotteshäuser, sagte Bischof Bernard Fellay in einem Interview mit der Zeitung Le Figaro . "Es ist ein Unrecht, es uns zu verweigern; die Gläubigen haben ein Recht auf würdige Riten und nicht nur auf Riten nach dem Geschmack eines modernistischen Pfarrers." Fellay war einer der exkommunizierten Bischöfe und leitet seit 1994 die Bruderschaft. Die katholische Kirche protestierte gegen die Besetzung, ließ es aber nicht auf eine Auseinandersetzung ankommen.

Katholische Traditionalisten wie die Anhänger Lefebvres pflegen Messen nach altem Ritus © Pro Missa Tridentina

Das die Pius-Bruderschaft in Frankreich besonders stark ist, hängt auch damit zusammen, dass ihr Gründer Marcel Lefebvre dort geboren wurde und es ihm gelang, Konservative und enttäuschte Anhänger der katholischen Kirche um sich zu scharen.

Lefebvre wurde 1905 im nordfranzösischen Ort Tourcoing geboren. Die Familie war sehr religiös, einer seiner Brüder wurde ebenfalls Priester und drei Schwestern gingen ins Kloster. Lefebvre studierte Philosophie und Theologie in Rom und wurde 1929 in Lille zum Priester geweiht. Er ging als Missionar nach Gabun, 1947 berief ihn der Papst zum Bischof und machte Lefebvre zum Apostolischen Delegaten für das französischsprachige Afrika.

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 trat er als Sprecher der Konservativen gegen Reformen ein. Er und seine Mitstreiter konnten sich jedoch nicht durchsetzen. 1969 gründete Lefebvre in Rom die Priesterbruderschaft St. Pius, die 1970 als kanonische Gemeinschaft innerhalb der Kirche anerkannt wurde. "Unsere Gründung erfolgte in der Kirche und für die Kirche," zitiert die offizielle Homepage der Pius Bruderschaft ihren Gründer. Lefebvre hatte dabei die Kirche des 19. Jahrhunderts vor Augen.

In Econe, in der Schweiz, baute die Bruderschaft ein Priesterseminar auf. 1974 verzeichnete die konservative Organisation bereits 105 Studenten – die meisten von ihnen kamen aus Frankreich. Mehrfach versuchte die katholische Kirche den Spalter wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen zurück zu locken. Doch Lefebvre war kein Mann der Kompromisse.

Er unterrichtete die angehenden Priester so, als ob es das Zweite Vatikanische Konzil nicht gegeben habe und lehrte ausschließlich die alten Traditionen. Der päpstliche Staatssekretär ließ daraufhin die Bruderschaft auflösen. Doch Lefebvre akzeptierte diesen Schritt nicht, da nur der Papst solche Befugnis habe. Der Erzbischof lehrte weiter und ließ neue Priesterseminare im französischen Ort Flavigny, in  Zaitzkofen in Bayern, in den USA, Australien und Argentinien errichten.