Der kleine Ort Zaitzkofen nahe Regensburg wirkt wie ausgestorben an diesem milden Wintertag. In der Ferne zeichnen sich schemenhaft die Berge des Bayerischen Waldes ab. Am Ortsrand steht ein altes Schloß mit einem weitläufigen, gepflegten Park. Das sauber herausgeputzte Gebäude ist Sitz des Internationalen Herz Jesu Priesterseminars der Pius-Bruderschaft. Auch hier ist es gespenstisch still. Fast hat man den Eindruck, die einst von dem französischen Kardinal Marcel Lefebvre als Reaktion auf das Zweite Vatikanische Reformkonzil gegründete ultrakonservative Katholikengruppierung habe sich eingeigelt angesichts des Sturms öffentlicher Entrüstung, der über sie, besonders aber über Papst Benedikt XVI. hereingebrochen ist, seit er vier ihrer Bischöfe wieder in die Kirche heimgeholt hat.

Doch dann wird man doch noch zweier Frauen in schwarzer Nonnentracht angesichtig, die auf den Gräbern des kleinen Friedhofes auf dem Seminargelände nach dem Rechten sehen. "Sie sind alle weg", sagt eine der beiden Schwestern, "sie machen einen Ausflug." Wohin die derzeit gut 40 ständigen Bewohner des Seminars, darunter 22 Priesteramtskandidaten, gefahren sind, will sie nicht sagen.

Wenn man sie auf Bischof Richard Williamson anspricht, der hier in Zaitzkofen vor laufenden Kameras den Holocaust geleugnet und damit den gegenwärtigen Papst in seine bisher größte Krise gestürzt hat, hebt sie abwehrend die Arme. "Wir dürfen nichts sagen, kein Wort."

Angeblich ohne Wissen von den skandalösen Äußerungen des britischen Bischofs hatte Papst Benedikt in der vergangenen Woche Williamson und drei weitere, von Lefebvre illegal geweihte und dann vom Vatikan exkommunizierte Bischöfe wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen. Daran entzündete sich ein Streit, der am Dienstag sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu bewog, den Papst öffentlich ins Gebet zu nehmen .

So still wie an diesem Tag ist es natürlich nur selten in dem einzigen Priesterseminar der Pius-Brüder auf deutschem Boden. Im Gegenteil: An den Wochenenden oder hohen kirchlichen Feiertagen kommen traditionalistische Gläubige aus ganz Europa hierher. Mehrere Tausend Menschen drängten sich dann in dem kleinen Ort, erzählt ein Spaziergänger. Sie kämen sogar aus Frankreich, Italien oder Polen, das sehe man an den fremden Nummernschildern.