"Schweigen ist scheiße", brüllt Comrade Fatso ins Mikrofon. Seine Rastazöpfe wirbeln durch die Luft, mit stechendem Blick fixiert er das Publikum, im Takt der Musik wippt sein Körper vor und zurück. Wenn der 28-Jährige in Simbabwe auftritt, dann ist das Haus voll.

Der weiße HipHopper und politische Aktivist ist einer der beliebtesten Musiker in dem Land, das der Langzeitdiktator Robert Mugabe beispiellos heruntergewirtschaftet hat. Er ist der Held der frustrierten Jugend, singt über fehlende Perspektiven, über das Leben in der Kriminalität und die Angst vor staatlicher Repression, die den Alltag vieler bestimmt. In einem Land, das von wirtschaftlichem Zerfall (aktuelle Inflationsrate: 231 Millionen Prozent), einer Choleraepidemie und grassierender Armut geprägt ist.

"Mugabe hat das Land zerstört und die Einwohner zu Aasfressern gemacht", sagt Comrade Fatso. Was die meisten in Simbabwe sich nur zu denken trauen, spricht der Musiker aus. Die Konsequenzen dessen nimmt er in Kauf. Eingesperrt zu werden gehört dazu: "Das ist Teil des Spiels", sagt er.

Wo Comrade Fatso mit seiner Band Chabvondoka auftritt, ist die Central Intelligence Organisation (CIO), der Geheimdienst Mugabes, nicht weit. "Es sind immer Agenten im Publikum. Manchmal lassen sie uns in Ruhe, und manchmal verhaften sie uns", erzählt er. Immer wieder musste er für kurze Zeit ins Gefängnis. "Sie verhören und bedrohen mich. Ich soll aufhören, politische Texte zu schreiben, sagen sie mir dann. Bis jetzt hatte ich Glück und wurde immer nach ein paar Tagen wieder freigelassen."

Nicht alle kamen so glimpflich davon: Tonderai Ndira, ein oppositioneller Politiker und Freund Fatsos, wurde im vergangenen Jahr von der CIO gefoltert und getötet. "Die Agenten haben sogar die Beerdigung gestürmt und die Trauergäste verprügelt", erzählt Comrade Fatso. Angst sei sein ständiger Begleiter, doch aufhören wolle er nicht.

Mit dieser Standfestigkeit hat er sich eine große Anhängerschaft geschaffen. "Ob arm oder reich, Student oder Arbeitsloser, Künstler oder Bauer:  Wer gegen die Regierung ist, der geht auf die Konzerte von Comrade Fatso", sagt Clever Bere, der Vorsitzende der Zimbabwe National Students Union (ZINASU). Die Auftritte finden größtenteils in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, statt. Bei selbstorganisierten Festivals oder in einem der noch aktiven Clubs wie dem Book Café, das seit 1997 besteht.