Den Festgottesdienst in der Erlöserkathedrale unweit des Kremls besuchten mehrere tausend Gläubige teil, darunter auch Präsident Dmitrij Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin. Der als vergleichsweise liberal geltende Kirill (62) war Ende Januar zum neuen Oberhaupt des Moskauer Patriarchats gewählt worden.

Er ist der Nachfolger des im Dezember gestorbenen Patriarchen Alexi II. Der russisch-orthodoxen Kirche gehören rund 150 Millionen Mitglieder an. Das ist mehr als die Hälfte der weltweit 250 Millionen orthodoxen Christen.

Nach seiner Wahl hatte sich Kirill dafür ausgesprochen, dass Kirche und Staat zwar partnerschaftlich, aber doch unabhängig voneinander handeln müssten. Die russisch-orthodoxe Kirche hat seit dem Ende der Sowjetuntion erheblich an Bedeutung gewonnen, Regierungschef Putin zeigt sich regelmäßig in der Kirche. Nach Ansicht von Kirchenkritikern hat der Kreml erheblichen Einfluss.

Kirill kündigte an, die Vormachtstellung der russisch-orthodoxen Kirche auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken festigen zu wollen. Als erster Gratulant trat Kremlchef Medwedew zum Patriarchen. "Dieses Ereignis eröffnet eine neue Epoche der Orthodoxie in unserem Land", sagte der Präsident. Eine enge Zusammenarbeit mit der Kirche sei für den russischen Staat von großer Bedeutung. Im Anschluss segnete der Patriarch Medwedew und Putin.

Kirill hatte sich zuvor als Beauftragter für die Außenbeziehungen des Patriarchats um die Aussöhnung der Kirchen verdient gemacht. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte Kirill in einem Glückwunschschreiben als "Brückenbauer zu den Menschen, in der Ökumene und in der Welt".

An der mehr als dreistündigen Feier nahmen die Oberhäupter der meisten orthodoxen Kirchen teil. Aus Deutschland hatten der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller als Vertreter der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ihr Kommen angekündigt. Einlass in die Erlöser-Kathedrale erhielten nur Besucher mit Eintrittskarte. Bei 20 Grad Frost harrten viele Christen außerhalb der Kirche aus.

Mit der Wahl Kirills wächst in der katholischen Kirche die Hoffnung auf ein erstes Treffen zwischen Papst und Patriarch. Das Verhältnis ist aber weiter angespannt. Moskau wirft dem Vatikan vor, in Russland zu missionieren.