SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte den Rücktritt des Managers für den Fall, dass sich Berichte über eine weitere Überprüfungsaktion gegen alle Bahnbediensteten bestätigen sollten. "Wenn das so wäre, wird sich Herr Mehdorn nach einer anderen Tätigkeit umsehen müssen", sagte Wiefelspütz dem Kölner Stadt-Anzeiger vom Mittwoch. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), äußerte sich kritisch. "Der Vorgang ist geeignet, das Ansehen der Bahn weiter zu schädigen", sagte er dem Blatt.

Aus einem Schreiben des Verkehrsministeriums geht hervor, dass das Unternehmen 2005 offenbar die komplette Belegschaft von damals rund 220.000 Beschäftigten überprüfte. Bislang hatte die Bahn nach monatelangen Ermittlungen den Abgleich von Adress- und Kontodaten von 173.000 Mitarbeitern eingeräumt. SPD-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee wurde über den erneuten Fall eines Datenabgleichs bei der Deutschen Bahn bereits am Freitag informiert, berichtet der Tagesspiegel. Noch am Dienstag hatte Tiefensee sich beschwert, die Bahn informiere in der Datenaffäre nur scheibchenweise.

Die Bahn hatte am Dienstagabend mitgeteilt, eine Ausweitung der Datenschutzaffäre sei möglich. Derzeit sei noch kein Ende der Ermittlungen abzusehen, erklärte das Unternehmen. "Mögliche weitere Vorgänge" seien nicht auszuschließen. Mehdorn selbst hat Vorwürfe zurückgewiesen, zu den groß angelegten Datenabgleichen nicht vollständig informiert zu haben. Sein Verhalten sei "keine Salamitaktik, sondern entspricht dem natürlichen Gang sehr schwieriger Ermittlungen", erklärte er.

Die Gewerkschaft GDBA fordert weiterhin eine Entschuldigung von Konzernchef Hartmut Mehdorn. Dass Mehdorn in einem Schreiben an die Mitarbeiter Fehler eingeräumt habe, reiche nicht aus und sei eher eine Rechtfertigung gewesen, sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel am Mittwoch im Deutschlandfunk. "Das Wort Entschuldigung wäre das gewesen, was am Anfang zu stehen gehabt hätte." Unklar sei, was mit den gewonnenen Daten geschehen sei, und niemand wisse, was noch zutage gefördert werde. Es sei eine Tatsache, dass Mitarbeiter über Jahre ausgespäht worden seien.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert nach den neuen Enthüllungen eine gesetzliche Regelung zum Datenschutz von Arbeitnehmern. "Die Daten von Mitarbeitern dürfen nur zu arbeitsrechtlichen Zwecken wie Lohnbuchhaltung verwendet werden", forderte Schaar in der Mittwochsausgabe der Berliner Zeitung. Ein präventiver Datenabgleich dürfe nicht hingenommen werden. "Es darf sich keine Unternehmen-Selbstjustiz etablieren, die ohne gesetzliche Grundlage und ohne richterliche Kontrolle abläuft."