Beim ersten Besuch ihres deutschen Amtskollegen sparte Außenministerin Hillary Clinton nicht mit diplomatischen Zuneigungsfloskeln. So bezeichnete sie Deutschland in Washington als einen der "engsten Partner" Amerikas. Mit Blick auf die Entwicklung in Afghanistan sagte sie: "Wir brauchen unsere engsten Partner, um Erfolg zu haben." Forderungen nach einem größeren deutschen Engagement in der Region erhob sie zunächst jedoch nicht ein. Kommende Woche reist der neue US-Sonderbeauftragte Richard Holbrooke zum ersten Mal in die Region.

Steinmeier sprach sich seinerseits für eine neue "transatlantische Agenda" aus. Die wichtigsten Punkte seien die globale Wirtschaftskrise, der Klimawandel und Abrüstungsfragen. Die Außenminister seien "dringend gehalten, unser Engagement einzubringen, um die Abrüstungs-Architektur nicht weiter erodieren zu lassen". Zugleich warnte er vor einem Wiedererstarken des Protektionismus. Geschlossene Märkte seien "mit Sicherheit keine Hilfe gegen die Krise". Mit der Aussage spielte er auf die internationalen Befürchtungen an, die Obama-Regierung werde im Zuge der Wirtschaftskrise dem Freihandel teilweise den Rücken kehren.

Zwei Wochen nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama war Steinmeier das erste deutsche Kabinettsmitglied, das von der neuen US-Regierung empfangen wurde. Nach seinem Treffen mit Clinton kam er im Weißen Haus mit Obamas Sicherheitsberater James Jones zusammen.

Noch ist unklar, welche Priorität die Regierung Obamas den transatlantischen Beziehungen einräumt. Die erste Auslandsreise Clintons wird nach amerikanischen Medienberichten vom Dienstag nicht wie üblich nach Europa, sondern nach Asien führen. Nach Informationen des Fernsehsenders CNN plant die ehemalige First Lady für Mitte Februar Besuche in Japan, China und Südkorea.

Am Wochenende ist der neue US-Vizepräsident Joe Biden erstmals in Europa zu Gast, bei der Sicherheitskonferenz in München. Obama wird dann Anfang April in Europa erwartet, zunächst beim Weltfinanzgipfel in London und dann beim Nato-Jubiläumsgipfel auch in Deutschland.