Günther Wuchterl kann sich vor Begeisterung kaum halten. "Ich habe zu diesem Fund eine ganze Liste von Superlativen aufgestellt, 20 werden es bestimmt sein", schwärmt der Planetenforscher. "Auf jeden Fall ist das die spannendste Geschichte, die ich je erlebt habe." Mit dem knappen Wörtchen "das" beschreibt Wuchterl eine Entdeckung, auf die seine Zunft seit Langem gewartet hat: Zum ersten Mal wurde außerhalb unseres Sonnensystems ein erdähnlicher Planet nachgewiesen, der ähnlich groß und schwer wie unser Heimatplanet ist.

Der Sensationsfund gelang Wuchterl und seinem Kollege Artie Hatzes mithilfe des europäischen CoRoT-Satelliten und wurde soeben auf einer Pressekonferenz anlässlich des ersten CoRoT-Symposiums in Paris vorgestellt. Vor großen Worten ist den Forschern, die an der Thüringer Landessternwarte Tautenburg arbeiten, dabei nicht bange: "Die Frage nach der Existenz fremder terrestrischer Planeten ist damit erledigt", freut sich der aus Österreich stammende Sternentheoretiker Wuchterl.

Wie bitte? Wurde in den vergangenen Jahren nicht immer wieder von erdähnlichen Planeten berichtet, die um fremde Sterne kreisen? Feierte nicht schon 1999 ein großes deutsches Nachrichtenmagazin in einer Titelstory "Die Zwillingsschwester der Erde"? Tatsächlich bricht immer wieder die Begeisterung bei den Kommentatoren durch, wenn wieder einmal jene verwackelten Lichtsignale aufgefangen werden, die darauf hindeuten, dass in einem fremden Sternensystem ein Himmelskörper rund um eine Sonne kreist. 335 solcher Exoplaneten wurden mittlerweile gefunden, seit 1995 die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Begleiter des Sterns 51 Pegasi nachwiesen. Doch wirklich erdähnlich ist von den 335 bisherigen Exoplaneten keiner. Ihre Bahnradien und Massen legen nahe, dass es sich ausnahmslos um Gasriesen handelt, die eher dem Planeten Jupiter gleichen als unserem heimeligen blauen Erdball.

Da kommt das Objekt, das nun von CoRoT entdeckt wurde, unserer Heimat schon näher: Der Planet im Sternbild Einhorn, einige Hundert Lichtjahre von der Erde entfernt, wiegt etwa sechsmal so viel wie die Erde und weist einen Radius auf, der eindreiviertel Erdradien entspricht. Damit hätte man "den bisher kleinsten und masseärmsten Planeten eines anderen Sterns als der Sonne entdeckt", heißt es triumphierend in der Pressemeldung der Forscher von der Landessternwarte Tautenburg (die zugleich zum Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gehören). Ihr "exo-terrestrischer Planet", den sie auf den wenig romantischen Namen CoRoT-Exo-7b tauften, hat eine "Dichte nahe jener der Erde" und besteht demnach nicht aus Gas, sondern aus schweren, erdähnlichen Elementen. Damit gehöre er definitiv "in die Gruppe der terrestrischen Planeten, deren Vertreter bisher ausschließlich in unserem Sonnensystem zu finden waren".

Hat die Suche nach außerirdischem Leben also ein Ende, ist es Zeit für ein astrobiologisches Halali? Und sollten wir schon einmal ein Raumschiff startklar machen in Richtung Sternbild Einhorn?
Vorsicht. Vor dem Abheben empfiehlt sich ein Blick auf das planetare Kleingedruckte: Die Umlaufzeit des neuen Exoplaneten beträgt nämlich weniger als einen Tag, in nur 21 Stunden saust er einmal um seine Sonne; und sein Abstand beträgt nur etwa drei Millionen Kilometer, das entspricht einem Fünfzigstel der Distanz Erde-Sonne. Daraus folgt, dass auf CoRoT-Exo-7b höllische Temperaturen herrschen müssen. Leben dürfte dort kaum zu finden sein.