Die Biographie der Schauspielerin Asli Bayram ist so einzigartig, dass sie fast wie ein Drehbuch klingt: Ihr Vater wurde in Darmstadt von Neonazis ermordet, sie selbst 2005 zur "Miss Deutschland" gewählt. Mit ZEIT ONLINE sprach die Schauspielerin, deren neuer Film Short cut to Hollywood heute auf der Berlinale zu sehen ist, über Rassismus, Integration, Heimatgefühle und Hass.

ZEIT ONLINE:Frau Bayram, Sie sind Schauspielerin, Charakterdarstellerin, haben bei Eric Morris in Los Angeles studiert. Was ist Ihr aktuelles Projekt?

Bayram:Ich habe eine Rolle in dem durchgeknallten Road-Movie "Short cut to Hollywood", eine deutsche Produktion der Bavaria, aber fast komplett in den USA gedreht, in New York, Miami, Las Vegas, Los Angeles.

ZEIT ONLINE: Der Film läuft auf der Berlinale im Panorama. Was ist die Story?

Bayram: Der Film ist eine total schräge Tragik-Komödie über die Gier, um jeden Preis berühmt zu werden, und sei der Preis das eigene Leben. In so einer Zeit leben wir. Ich verkörpere in meiner Rolle die Gegenposition zu diesem Irrsinn: dass nämlich nur Leistung zu Ruhm und Erfolg im Showbusiness führen kann. Man muss den Menschen einmal mehr klar sagen, dass mehr Schein als Sein nicht das richtige Rezept für Erfolg ist. Der Film wird sicherlich Kontroversen auslösen, weil er bewusst Grenzen überschreitet, um aufzurütteln.

ZEIT ONLINE: Sie sind 27 Jahre alt und leben seit Ihrer Geburt in Deutschland. Hat sich im Lauf der Jahre die Art und Weise geändert, wie man Ihnen als Deutsch-Türkin begegnet?

Bayram: Nein, eigentlich nicht. Mir geht es gut hier, ich fühle mich zu Hause. Aber im Alltag gibt es eigentlich Tag für Tag Situationen, in denen man mich spüren lässt, dass ich nicht wirklich dazu gehöre.

ZEIT ONLINE: Ein Beispiel?

Bayram: Kürzlich saß ich im Flugzeug, das Boarding war noch nicht abgeschlossen, und musste noch kurz jemanden anrufen. Ich sprach Türkisch. Da fährt mich mein Sitznachbar plötzlich von der Seite an und sagt: "Nicht telefonieren, wir sind hier doch nicht in einem arabischen Flugzeug!" So wird man in Deutschland manchmal angesprochen. Das passiert in anderen Ländern nicht.