Altern in Hollywood ist die Hölle. Galt man einst als schönste Frau der Welt, ist man nur noch die ehemals schönste Frau der Welt und bekommt das ständig unter die Nase gerieben. Rollen, die einem früher im Dutzend jede Woche angeboten wurden, bleiben aus. Und wenn doch einmal eine ins Haus flattert, dann hat sie zum Thema meist das Altern. "Alles halb so schlimm", sagt Michelle Pfeiffer, die im April 51 wird und noch immer von ihrem Image als Sexsymbol der achtziger Jahre zehrt. Selbst wenn sie wie in Stephen Frears Wettbewerbsbeitrag Chéri eine in die Jahre gekommene Kurtisane spielt.

Rund 20 Jahre nach Gefährliche Liebschaften hat sich Pfeiffer noch einmal in die Hände des englischen Regisseurs begeben, der ihr die erste große Charakterrolle ihrer Karriere bescherte. Als Marie de Tourvel sah man sie in der Choderlos-de-Laclos-Verfilmung reichlich Tränen vergießen. In Frears Adaption eines Romans von Colette gibt sie nun Léa, eine noch immer schöne Frau, die mit dem Alter hadert.

Im gleichen Maße wie Léa an Jahren gewinnt, werden ihre Liebhaber jünger. Chéri (Rupert Friend) ist gerade mal 19, als sie sich mit ihm einlässt. Als er sie verlässt, ist er 25.

Nach Krieg und Terror, Filmen, die so nachdrücklich im Jetzt spielten, hat mit Stephen Frears Chéri der Kostümfilm auf der Berlinale Einzug gehalten. Was Frears, der einst als Aushängeschild des New British Cinema sozial engagierte Filme drehte, an diesem klassischen Stoff gereizt haben mag, muss man ihn selbst fragen.

So gut das alles handwerklich gemacht, ausgeleuchtet und gespielt ist, so rückwärts gewandt ist es in seiner Ästhetik. Es ist ein Film, der an die Literaturverfilmungen eines James Ivory erinnert, ohne Ecken und Kanten. Selbst das größte Leid wirkt in Chéri noch wie mit dem Weichzeichner nachgearbeitet.

Dreh- und Angelpunkt sind die brillanten Dialoge von Christopher Hampton, der schon die Gefährlichen Liebschaften zusammen mit Frears für die Leinwand adaptierte. Die Dialoge schenken dieser Belle-Époque-Geschichte eine Kurzweil, die dem zweiten Ausstattungsfilm auf dieser Berlinale vollkommen abgeht. Die Rede ist von Chen Kaiges Forever Enthralled , dem fast dreistündigen chinesischen Beitrag.

In Cannes gewann Kaige 1993 die Goldene Palme für seinen Film Lebewohl, meine Konkubine . Zusammen mit Zhan Yimou ( Das rote Kornfeld ) gehört er zu jenen chinesischen Regisseuren, die in ihrer Jugend an der Kulturrevolution teilnahmen und dies später selbstkritisch kommentierten.