Ausgerechnet der frühere Berliner Artur Wichniarek sorgte mit seinem zwölften Saisontreffer (40. Minute) dafür, dass die Hertha die erste Tabellenführung seit 503 Tagen verpasste. Zuvor hatte Angreifer Andrej Woronin (13.) den Hauptstadtclub vor 20 700 Zuschauern in der Schüco-Arena in Führung gebracht. Durch das vierte Remis der Saison bleibt das Team von Trainer Lucien Favre mit 37 Punkten hinter Herbstmeister 1899 Hoffenheim (38 Punkte) auf dem zweiten Rang, die Arminia rangiert mit 18 Zählen weiter auf dem 14. Platz.

Herthas Trainer Lucien Favre trauerte dem verpassten Sprung auf den ersten Platz nicht hinterher. "Ich bin mit diesem 1:1 nicht unzufrieden", sagte der Schweizer. "Wie müssen das akzeptieren", da Bielefeld "keine schlechte Mannschaft" habe. "Wir haben uns zu sicher gefühlt. Das 1:1 vor der Pause war das Schlimmste, was passieren konnte", meinte Hertha-Verteidiger Josip Simunic. Favres Gegenüber war nach dem vierten ungeschlagenen Spiel in Serie zufrieden: "Wir haben ein sehr gutes Spiel von beiden Seiten gesehen. Es war ein gerechtes Unentschieden", sagte Arminen-Trainer Michael Frontzeck.

Aufgrund von zehn fehlenden Spielern - darunter Stürmer Marko Pantelic und Kapitän Arne Friedrich - war Hertha-Trainer Lucien Favre zu personellen und taktischen Umstellungen gezwungen, doch dies schien den Berlinern nichts auszumachen. Auch mit einer "Notelf" entpuppte sich der Hauptstadtclub zunächst als Meister der Effektivität, gleich die erste Chance wurde genutzt. Nach einem 60-Meter-Freistoß von Torhüter Jaroslav Drobny tauchte Woronin alleine vor dem Bielefelder Gehäuse und traf aus spitzem Winkel ins lange Eck. "Das war technisch sehr, sehr fein. Das ist Ausdruck von individueller Klasse", lobte Michael Preetz, der Leiter von Herthas Lizenzspielerabteilung. Armininen-Keeper Dennis Eilhoff machte beim Gegentor keine gute Figur.

Fünf Minute später hätte Woronin fast seinen zweiten Treffer nachgelegt, aber der Heber des Ukrainers traf nur die Latte. Anschließend baute die Hertha ab und gewährte den Hausherren mehr Raum. Zwar ließen die Ostwestfalen eine Woche nach ihrem 2:1-Coup in Bremen spielerische Brillanz vermissen, aber kämpferisch überzeugte das Team von Trainer Michael Frontzeck - und wurde dafür kurz vor dem Pausenpfiff belohnt.

Dabei machte wieder einmal Wichniarek seinem Ruf als Bielefelder "Lebensversicherung" alle Ehre: Nach einer Flanke von Radim Kucera war der Pole per Kopf zur Stelle und markierte sein zwölftes Saisontor, womit er sich für zwei Drittel aller Arminen-Treffer verantwortlich zeigt. Im zweiten Durchgang entwickelte sich ein Kampfspiel, wobei sich die Hausherren Vorteile erkämpften. Die besten Chancen besaß Angreifer Christopher Katongo, aber erst scheiterte er per Kopf an Drobny, dann schoss er aus 16 Metern über das Tor. Auf der Gegenseite kamen Maximilian Nicu und Amine Chermiti jeweils einen Schritt zu spät, so dass die Hertha die Spitze verpasste.