Das Verwirrspiel, welches die CSU am Samstag aufführte, sucht seinesgleichen. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten verkündet der Bundeswirtschaftsminister, er stelle sein Amt zur Verfügung. Und dann will ihn niemand gehen lassen, trotz der herben Kritik der vergangenen Monate. Sein Parteichef Horst Seehofer lehnte den Rücktrittswunsch glattweg ab.

Der Grund, den Glos für sein Ansinnen nannte, klingt, als sei der Minister völlig aus der Zeit gefallen: Er fühle sich ziemlich alt. Außerdem könne man so rechtzeitig vor der Bundestagswahl am 27. September einen Nachfolger aufbauen.

Selbst wer bisher keine Zweifel an der Eignung des Ministers hatte, der musste jetzt nachdenklich werden. Denn ein solcher Schritt kann eigentlich nur als Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit verstanden werden. Ein Minister, der so handelt, hält sich selbst offenbar für verzichtbar - oder zumindest für leicht ersetzbar.

Oder, schlimmer noch: Der Minister beweist abermals, dass er einfach kein Gefühl dafür hat, in welcher Lage sich das Land befindet. In normalen Zeiten mag der Hinweis auf Alter und Wahltermin dazu dienen können, sich eines ungeliebten Amtes zu entledigen. Doch nichts ist mehr normal.

Jedoch: Es gibt ein drittes Gedankenspiel, mit dessen Hilfe Glos’ Schritt erklärt werden könnte. Der Minister wollte gar nicht wirklich zurücktreten. Er wollte vielmehr Seehofer, der ihn in den vergangenen Wochen nicht immer gut behandelt hatte, zwingen, sich wieder hinter seinen Minister zu stellen.

Immerhin lehnte Seehofer den angebotenen Rückzug ja ab und rang sich vor Kameras den Satz ab: "Michael Glos hat mein Vertrauen".