Der Minister genieße weiterhin sein Vertrauen, sagte Horst Seehofer am Samstagabend in München. "Ich habe Michael Glos in einem Telefonat mitgeteilt, dass ich dieser Bitte nicht entspreche." Er werde die Beweggründe, die Glos in einem Brief an ihn dargelegt habe, "in einem persönlichen Gespräch mit ihm erörtern."

Nur Stunden zuvor hatte das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt, dass Glos dem CSU-Chef seinen Rücktritt angeboten habe.  Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte er bereits am Vormittag darüber informiert. Laut Bild am Sonntag schrieb Glos an Seehofer, nach dem schwachen Abschneiden der CSU bei der bayerischen Landtagswahl im September seien "Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt". Wegen seines Alters von 64 Jahren wolle er nach der Bundestagswahl keinem Kabinett mehr angehören. Er bitte ihn daher, "mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden".

Wenig Akzente gesetzt

Glos ist seit 2005 als erster CSU-Politiker Bundeswirtschaftsminister. Er war allerdings nur widerwillig in das Kabinett eingetreten, nachdem es der damalige CSU-Chef Edmund Stoiber nach der vorgezogenen Bundestagswahl abgelehnt hatte, das Amt zu übernehmen. Der gelernte Müllermeister Glos vertritt eine konservativ ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Akzente konnte er in der Großen Koalition allerdings kaum setzten.

Als Grund für seinen Schritt nannte der Minister auch die personellen Glaubwürdigkeit. Dazu gehöre, "vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen. Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören." Deshalb wolle er jetzt vom Amt entbunden werden.

Spannungen mit Seehofer

Die eigentlichen Motive dürften allerdings andere sein. So soll es nach Angaben aus Regierungskreisen in den letzen Wochen immer mehr Spannungen zwischen Glos und Seehofer gegeben haben. Seehofer habe Glos wiederholt gedrängt, innerhalb der Regierungsmannschaft schärfer auf Konfrontationskurs zu gehen, um die Handschrift der Christsozialen erkennbarer zu machen.