Ganz kurz schien Gutenbergs Welt am Abgrund: Mehr als sieben Millionen Bücher hatte Google gescannt, digitalisiert und zur Volltextsuche freigegeben. Sie stammen zumeist aus den Beständen amerikanischer Bibliotheken. Fünf Millionen von ihnen sind nicht mehr lieferbar. Das ging der amerikanischen Buchbranche zu weit: Nur, weil die Titel nicht mehr erhältlich sind, darf Google sie nicht vervielfältigen und teilweise zu veröffentlichen. Die Interessenverbände der US-amerikanischen Verleger und Autoren verklagten das Internet-Unternehmen. Man einigte sich schließlich auf einen Vergleich, der auch Bücher aus Europa einschließt.

Wenn im Juni das New Yorker Gericht der Einigung auch zustimmt, zahlt Google 125 Millionen Dollar an Autoren und Verleger. Die Prozesskosten und Anwaltshonorare werden ebenfalls von dem Unternehmen übernommen. Die betroffenen Autoren bekommen einmalig 60 Dollar und anschließend regelmäßig Tantiemen ausgezahlt – unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft.

Im Gegenzug darf das Unternehmen weiter Bücher in den USA digitalisieren, für die Volltextsuche aufbereiten und Auszüge veröffentlichen. Nicht mehr lieferbare Titel darf Google gegen Gebühr Lesern online zugänglich machen. Die Gewinne werden dann zwischen Google, Autoren und Verlagen verteilt. Etwas mehr als ein Drittel behält Google, der Rest fließt an die Book Rights Registry, eine Art Katasteramt für geistiges Eigentum. Diese noch zu gründende Institution verteilt dann die Tantiemen an Verleger und Autoren – ähnlich wie die VG Wort in Deutschland, nur mit globaler Reichweite.

Eigentlich verändert sich nicht viel: Alle Beteiligten bekommen Geld, wenn ein Buch per Google gekauft wird. Dennoch schrien in Deutschland die Lobbyisten auf: Die VG Wort, der Verband Deutscher Schriftsteller und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verlangten eine "Allianz deutscher Autoren und Verlage" gegen Google.

Christian Sprang, der Justiziar des Börsenvereins, nannte das Unternehmen aus Kalifornien einen "Moloch", der durch den Vergleich in den USA "Suchmaschine, Buchhändler, Verleger und Bibliothekar in einem" werden könne. Digitalisierung von Büchern sei Aufgabe des Staates, sagt Sprang, nicht die von Google. "Die Gesellschaft insgesamt gerät in Gefahr, dass Google die ihm zuwachsenden Kontrollmöglichkeiten missbraucht."

Ernsthaft? Bringen gescannte Bücher die Gesellschaft ins Wanken? Wohl kaum. Denn auch in Europa werden Bücher gescannt und im Internet veröffentlicht. Die EU gibt 120 Millionen Euro aus, um die virtuelle Bibliothek Europeana einzurichten. Überwacht von der Königlichen Bibliothek in Den Haag sammeln sich dort Filme, Bilder und auch Bücher, deren Urheberrechte erloschen sind. Jeder Internetnutzer kann sie kostenfrei anschauen.