Im Kulturhaus der DDR-Eisenbahner in Berlin-Karlshorst ging es oft hoch her, wenn verdiente Aktivisten ihre Auszeichnungen begossen. Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, dreht sich dort alles um Allah. Aus dem Kulturhaus ist die erste deutschsprachige Imam-Schule der Bundesrepublik geworden.

In der privaten Einrichtung erhalten junge Muslime eine Ausbildung, mit der sie in einigen Jahren als Religionsgelehrter und Vorbeter (Imam oder Hodscha) in einer Moscheegemeinde arbeiten können. Die Aufnahmeprüfungen sind beendet, mehrere Internatszimmer bezogen. Es laufen Kurse zur Vorbereitung. Bald wird der richtige Unterricht losgehen, in zunächst zwei Klassen mit jeweils 16 Studenten.

"Wir warten nur noch auf die offizielle Eintragung in das Berliner Schulverzeichnis", sagt Schulleiter Alexander Weiger. Er ist zum Islam konvertiert und wird Deutsch und Gesellschaftskunde unterrichten.

Eine Genehmigung braucht die Privatschule nicht, weil sie keine staatlich anerkannten Abschlüsse anbietet. Aber sie muss der Schulaufsicht den Lehrplan offenlegen, die Qualifikation ihrer Lehrkräfte nachweisen und die gesetzlichen Bildungsziele für Berliner Schulen einhalten.

"Ich bin richtig angetan von dem Projekt", sagt Bezirksbürgermeisterin Christine Emmrich (Linke). "Es sind angenehme Gesprächspartner." Gehässige Flugblätter der rechtsextremen NPD fanden in der Nachbarschaft so gut wie kein Echo.

Bisher erhalten Seelsorger der deutschen Moscheegemeinden ihre Ausbildung überwiegend in Ländern des islamischen Kulturkreises. Der größte türkische Dachverband Ditib etwa holt Imame grundsätzlich aus der Türkei.

Zu den Ausnahmen gehört der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), der Imame für seine rund 300 Gemeinden aus dem eigenen Nachwuchs selbst ausbildet. Drei Jahre dauert das Studium am Verbandsseminar in Köln, hinzu kommt ein einjähriges Praktikum. An der Universität Münster gibt es eine Ausbildung für islamische Religionslehrer an staatlichen Schulen.