Nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl in Israel zeichnen sich schwierige Koalitionsverhandlungen ab. Sowohl die Regierungspartei Kadima von Außenministerin Zipi Liwni als auch der Oppositionsführer und frühere Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vom konservativen Likud-Block erheben den Anspruch, eine Regierung zu bilden.

Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen lag Liwnis Kadima-Partei mit 28 der insgesamt 120 Knesset-Sitze knapp vor der rechtsorientierten Likud Netanjahus, auf den 27 Sitze entfielen. Damit verschlechterte sich die Kadima im Vergleich zur Wahl vom März 2006 um ein Mandat, während Likud 15 hinzugewann.

Größter Verlierer der Wahl ist die früher lange Jahre dominante Arbeitspartei mit Verteidigungsminister Ehud Barak an der Spitze. Sie verliert sechs ihrer bislang 19 Mandate und wird nur noch die viertstärkste Kraft in der Knesset. Die ultra-religiöse Schas-Partei liegt mit elf Mandaten knapp dahinter.

Eine Schlüsselrolle kommt nun der ultranationalistischen Partei Israel Beiteinu von Awigdor Lieberman zu, die im Wahlkampf mit anti-arabischen Tönen auf sich aufmerksam gemacht hatte und bei der Wahl 15 Sitze erhielt. Lieberman zeigte sich zwar für beide potenziellen Partner offen, ließ aber seine Präferenz für ein Bündnis mit dem Likud erkennen. "Wir schließen niemanden aus", sagte er. Sein Herzenswunsch sei allerdings eine "nationalistische Regierung". Zwar habe Liwni überraschend gewonnen, "aber wichtiger ist, dass das rechte Lager eine klare Mehrheit gewonnen hat".

Den Beitritt seiner Partei zu einer Regierungskoalition machte Liebermann vom Sturz der radikal-islamischen Hamas-Organisation im Gaza-Streifen abhängig. Es werde mit seiner Partei weder eine Waffenruhe noch direkte oder indirekte Gespräche mit Hamas geben. 

Unterdessen rief Liwni Netanjahu auf, sich an einer Regierung der nationalen Einheit unter ihrer Führung zu beteiligen. Die Menschen hätten sich für die Kadima entschieden. "Alles, was wir jetzt tun müssen, ist die richtige Sache; die Entscheidung der israelischen Bürger zu respektieren und einer Regierung der nationalen Einheit unter unserer Führung beizutreten", sagte Liwni an die Adresse ihres Konkurrenten. Auch Innenminister Meir Schitrit von der Kadima sagte, eine Koalition seiner Partei mit dem Likud müsse von Liwni angeführt werden. Ein Rotationsverfahren wie nach einem ähnlichen Wahlergebnis 1984 sei nicht praktikabel.