Ali Laridschanis Rede geriet zu einer Generalabrechnung mit den Vereinigten Staaten: Während sein Land für die Atompolitik verurteilt werde, hätten die USA keine Schwierigkeiten mit dem israelischen Atomprogramm und den Atomtests von Pakistan und Indien, sagte der iranische Parlamentspräsident am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Gegen diese Länder würden keine Sanktionen beschlossen.

Auf der anderen Seite hätten die USA alles versucht, um im Atomstreit mit seinem Land mögliche diplomatische Lösungen zu sabotieren, sagte er. In einer durchweg von sehr harter Kritik an den USA geprägten Rede sagte Laridschani, diese hätten "unter dem Vorwand, den Terrorismus zu bekämpfen", Irak und Afghanistan "besetzt" und den Tod vieler Menschen mitverschuldet. "Glauben Sie, dass das Leid nur durch einen neuen Tonfall wieder gut gemacht werden kann?"

Die USA müssten ihre Fehler eingestehen, die kulturellen Eigenheiten des Nahen Ostens respektieren und ihre Strategie verändern. Ihre bisherige Nahost-Strategie sei falsch gewesen, sagte er. Was den Wandel in Washington angehe, sei die Welt jetzt vorsichtig optimistisch. "Dies ist die goldene Chance der USA."

Laridschani verwies darauf, dass die Vereinigten Staaten als einziger Staat überhaupt jemals Atomwaffen eingesetzt hätten. Er verlangte von den Atommächten, diese müssten ihre Arsenale abrüsten.

Dem Westen insgesamt warf Laridschani vor, den "Osten" kolonialisieren wollen. Die Menschendort seien aber keine "Bürger zweiter Klasse". Das "islamische Erwachen" sei kein Phänomen mehr, das man einfach beiseite wischen könne. Die Theorie des Unilateralismus habe jetzt eine Sackgasse erreicht. "Hegemonie und Terrorismus sind zwei Seiten der gleiche Medaille."

Die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat - die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China - sowie Deutschland versuchen derzeit, den Iran zu Garantien für eine ausschließlich zivile Nutzung der Atomenergie zu bewegen. In den vergangenen Wochen hatte die Administration des neuen US-Präsidenten Barack Obama Dialogbereitschaft signalisiert, gleichzeitig bei einer Weigerung Irans schärfere Sanktionen ins Spiel gebracht. Der britische Außenminister David Miliband hatte im Vorfeld der Konferenz ebenfalls mit härteren Sanktionen gedroht.

Iran steht im Verdacht, mit seinem Atomprogramm keine friedliche Nutzung der Kernenergie, sondern den Bau einer Bombe anzustreben. Bislang weigert sich Teheran, die Anreicherung von Uran zu stoppen oder zumindest den Ausbau der Anreicherungsanlagen auf Eis zu legen.