Die Suche nach dem Gottesteilchen kann erst im Herbst beginnen: Bis Ende September sollen alle Reparaturen am Large Hadron Collider (LHC) abgeschlossen sein. Die Wissenschaftler fahren die Anlage damit weitere sechs Wochen später hoch als bislang geplant, heißt es vom europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf. Um den LHC zu reparieren und verbesserte Sicherheits- und Überwachungssysteme einzubauen, seien bis zu 20 Millionen Euro nötig.

Rolf-Dieter Heuer, seit Januar Generaldirektor des CERN, will nun auf Nummer sicher gehen. Der Zeitplan sei umsichtig: "Wir wollen sicherstellen, dass alle notwendigen Arbeiten am LHC beendet sind, ehe wir neu starten." Eine Panne hatte vergangenen September die Verbindung zwischen zwei der insgesamt 9300 Magneten überhitzt. Das System brach zusammen, und ein Kühltank wurde beschädigt. Das ausströmende Helium löste zusätzlich mehrere Magnete aus ihrer Verankerung. Das Flüssiggas kühlt den unterirdischen Beschleunigerring auf seine Betriebstemperatur von minus 271 Grad ab.

Jetzt sollen zusätzliche Ventile den Druck mindern, falls es zu einem ähnlichen Vorfall kommen sollte wie im Herbst. So ließe sich der entstehende Schaden minimieren. Erst Ende Januar hatte Heuer angekündigt, dass externe Fachleute die Reparaturen an der größten Maschine der Welt prüfen sollen. Der CERN-Direktor versicherte, dass er seinen eigenen Mitarbeitern vertraue. Allerdings bestehe die Gefahr, dass sie blind für die Schwächen der eigenen Anlage würden, sagte Heuer der Schweizerischen Sonntagszeitung . Wer so intensiv am LHC arbeite, könne Fehler leicht übersehen.

Der LHC ist eine Maschine der Superlative. 13 Jahre dauerte es, den 27 Kilometer langen Ring in einer Tiefe von 100 Metern bei Genf zu bauen. Der 3 Milliarden Euro teure Teilchenbeschleuniger soll nichts Geringeres als die Geburt unseres Universums enträtseln . Physiker aus aller Welt erhoffen sich mit dem LHC Aufschluss über grundlegende Fragen zur Struktur der Materie. 600.000 Mal in der Sekunde sollen Atomkerne im Beschleuniger aufeinander prallen und dabei beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen. Derartige Kollisionen, heiß  wie das 100.000-fache der Sonnenhitze, erwarten die Physiker jetzt frühestens im Oktober.

Dann soll der LHC, wenn diesmal alles glatt läuft, bis Herbst 2010 durchlaufen. Eine kleine Verschnaufpause gibt es dann aber bereits über Weihnachten. In dieser Zeit soll die Maschine gewartet werden. Erste Ergebnisse gibt es damit aber noch nicht: Um die gesammelten Datenmengen anschließend auszuwerten, können noch einmal Monate bis Jahre vergehen.