Was sicher bleibt, ist allein die Täterbeschreibung: Der Mann, der am 13. Dezember 2008 den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl vor seiner Haustür niedergestochen hat, wird immer noch so beschrieben: 190 Zentimeter groß, kräftig, Glatze oder sehr kurze Haare, Leberfleck oder eine Tätowierung am Hals, keinen Bart.

Viel mehr konnte die Sonderkommission Fürstenzell auch am Mittwoch nicht mitteilen. Und das, obwohl die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, jetzt bei 20.000 Euro liegt und auch zwei Monate nach der Tat noch 50 Beamte in der nach Mannichls Wohnort benannten Soko ermitteln.

Immerhin schließt die Polizei jetzt einige Varianten aus. Die Familie des Polizeichefs, ja sogar das Opfer selbst waren zwischenzeitlich in Verdacht geraten – zumindest in den überhitzten Medienberichten, die nach früher Festlegung auf einen Täter aus dem rechtsextremen Spektrum zuletzt so taten, als sei eine Beziehungstat wahrscheinlich.

Doch, so sagte jetzt der Leitende Passauer Staatsanwalt Oberstaatsanwalt Helmut Walch, es gebe "nicht den geringsten Anhaltspunkt", dass Manichl von seiner Frau, seinem Sohn oder der Tochter niedergestochen worden sei. Die Fahnder schließen auch aus, dass der 52-jährige Beamte sich das Messer selber in den Bauch gerammt hat – warum auch immer er das hätte tun sollen.

Echte Hinweise darauf, der Angreifer könne in Mannichls Familie zu suchen sein, gab es ohnehin nie. Trotzdem kursierten wilde Gerüchte über Ehekrisen und Drogenprobleme. Als Indiz für einen Täter in der Familie wurde angeführt, dass die Tatwaffe zum Haushalt der Mannichls gehörte. Die Erklärungen, warum es vor der Haustür oder im Garten lag, widersprachen sich in einigen Details, was den Verdacht anheizte.

Auch aus der angeblich zu vagen Täterbeschreibung Mannichls wurde abgeleitet, er wolle jemanden decken. Ein Profi hätte genauer hingesehen, hieß es – ungeachtet dessen, dass Mannichl ein Messer zwischen den Rippen hatte und es schon dämmerte, als er angegriffen wurde. In einem Interview sagte Mannichl dazu: "Wenn ich so etwas erfinden würde, hätte ich es klüger gemacht."

Begünstigt wurden die Anschuldigungen dadurch, dass die Soko offenbar erst spät auch das Umfeld des Opfers abklopfte, wie es eigentlich zur polizeilichen Routine gehört. Zwar behauptet der Leiter der Fahndungsgruppe jetzt, die Ermittlungen seien von Anfang an in alle Richtungen geführt worden. Einige Vernehmungen, Durchsuchungen und kriminaltechnische Untersuchungen fanden aber erst spät im Verlauf der Ermittlungen statt.