Das Gespenst des Protektionismus geht wieder um, in Amerika wie in Europa. Die Tatsache an sich ist nicht erstaunlich. Wir gehen durch die schlimmste Krise seit 80 Jahren, wobei uns das Schlimmste wahrscheinlich noch bevorsteht. In solchen Zeiten neigen Gesellschaften dazu, sich abzuschotten; sie werden selbstsüchtiger und sind weniger bereit zur Kooperation. Die Menschen werden anfälliger für populistische Parolen von links wie rechts.

Überall in der Welt lassen sich Anzeichen für einen solchen wachsenden "ökonomischen Nationalismus" ausmachen. Seine Botschaft ist verführerisch: Er verspricht den Menschen Rettung vor wirtschaftlicher Bedrängnis, und er appelliert an das nationale Eigeninteresse, das sich immer wieder als starker menschlicher Impuls erweist.

Regierungen und Parlamente der demokratischen Welt sind leider nicht immun gegen die Versuchung, zumindest eine Prise des ökonomischen Nationalismus zu verwenden, um Pluspunkte beim Wahlvolk zu machen. Sie sollten sich im Klaren darüber sein, dass es sich um ein gefährliches Spiel handelt: Wer die Büchse der Pandora auch nur ein wenig öffnet, um sich kurzfristig innenpolitische Entlastung zu verschaffen, mag erleben, dass sich der Geist – einmal entfleucht – nicht so leicht zurückbringen lässt.

Ein Beispiel, das als Warnung für andere dienen sollte, lieferte ausgerechnet Gordon Brown, als beredter Advokat des freien Handels bekannt, der nicht müde wird, die Vorzüge der Globalisierung zu verkünden. Im September 2007, als seine frisch erworbene Popularität die erste kräftige Delle erhalten hatte, benutzte er die gefährliche Formel "british jobs for british workers"; Brown wollte vergessen machen, dass Labour in elf Regierungsjahren zwar fast drei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen hatte, davon aber knapp 90 Prozent an Immigranten gegangen waren.

Der populistische Sündenfall des Premiers sollte sich rächen. In den vergangenen Wochen schlug ihm die Formel aus dem Munde erboster Streikender entgegen, die gegen den Einsatz ausländischer Arbeitnehmer durch britische Unternehmen protestierten.

Ähnliche Beispiele lassen sich überall in Europa finden. Überall bedienen sich Regierende ziemlich ungehemmt wirtschaftsnationalistischer Rhetorik. So forderte ein französischer Minister die Automobilindustrie des Landes auf, nur von heimischen Zulieferern zu kaufen. Präsident Sarkozy setzte noch einen drauf und mahnte die großen Unternehmen des Landes, unvermeidliche Entlassungen auf Zweigwerke im Ausland zu beschränken.