"Ich bin im Auftrag einer neuen Regierung hierhergekommen, die entschlossen ist, einen neuen Ton in Amerikas Beziehungen zu den Staaten der Welt anzuschlagen", sagte Vizepräsident Joe Biden in seiner mit Spannung erwarteten Rede. Die USA selbst würden künftig mehr Anstrengungen unternehmen, Probleme gemeinsam zu lösen. Sie würden aber auch von ihren Partnern mehr Hilfe einfordern. Dies gelte etwa für die Bewältigung der Probleme in Afghanistan, Nahost und im Iran.

Der Führung Russlands bot Biden eine neue Abrüstungsrunde und Gespräche über den zwischen beiden Ländern heftig umstrittenen Raketenschild in Osteuropa an. Washington werde das System zwar weiterentwickeln, allerdings nur, wenn es technisch sinnvoll, machbar und kosteneffizient sei. "Wir werden dieses in Abstimmung mit unseren NATO-Verbündeten und Russland tun."

Damit geht die Regierung Obama einen deutlichen Schritt auf Russland zu. Das von der alten Regierung unter George W. Bush geplante Raketenabwehrsystem, das in in Polen und Tschechien stationiert werden soll, hatte zu starken Spannungen zwischen beiden Ländern, aber auch mit europäischen Verbünden der USA geführt. Moskau sieht durch die Pläne sein atomares Raketenpotential für bedroht.  Kürzlich hatte die russische Regierung allerdings bereits angekündigt, auf die Aufstellung eigener Raketen an der Grenze zu Polen zu verzichten – als Geste des guten Willens gegenüber Obama.

Nach jahrelanger internationaler Kritik an den Alleingängen Amerikas unter Bush kündigte Biden in München an: "Wir werden in Partnerschaften arbeiten, wann immer wir können - allein nur, wenn wir es müssen." Die USA würden den Schwerpunkt künftig mehr auf Diplomatie und Entwicklung legen und früher tätig werden, um zu verhindern, dass am Ende nur die Wahl bleibe zwischen dem Risiko eines Krieges und den Gefahren der Untätigkeit.

Im Gegenzug würden die USA aber die Verbündeten auch bitten, die eigene Politik zu überdenken. "Einschließlich ihres Willens, Gewalt anzuwenden, wenn alle anderen Mittel versagen", sagte Biden.

Bei der Suche nach einem neuen Konzept für Afghanistan forderte Biden die Verbündeten auf, Ideen einzubringen. "Wir meinen es ehrlich: Wir brauchen Ihren Rat." Nötig sei eine umfassende Strategie, die die zivilen und militärischen Fähigkeiten der Partner bündle und für die sich alle verantwortlich fühlten. Damit das Grenzgebiet zu Pakistan kein Rückzugsraum für Extremisten bleibe, müsse Pakistan bei der Stabilisierung der Stammesgebiete und dem Wirtschaftsaufbau Hilfe erhalten.