"Beide Seiten müssen die Bereitschaft zum Kompromiss haben", sagte De Hoop Scheffer am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München. Dies betreffe beispielsweise die Raketenabwehr in Europa und die von Moskau vorgeschlagene neue Sicherheitsarchitektur. "Ich kann aber nicht sehen, wie wir ernsthaft über eine solche Sicherheitsarchitektur reden können, wenn Russland gleichzeitig Militärstützpunkte innerhalb Georgiens baut, obwohl Georgien das nicht wünscht."

De Hoop Scheffer hatte bereits am Freitagabend dem russischen Vize-Regierungschef Sergej Iwanow seine Besorgnis über Pläne zum Bau russischer Militärstützpunkte in der abtrünnigen georgischen Region Abchasien bekundet. "Wir haben die Möglichkeit, eine vertrauensvollere und konkretere Beziehung mit Russland aufzubauen", sagte der Nato-Generalsekretär. "Aber wenn das dauerhaft funktionieren soll, dann darf es keine Einbahnstraße sein."

Die europäischen Verbündeten der USA forderte de Hoop Scheffer auf, positiv auf "neue Ideen" von US-Präsident Barack Obama zu reagieren. "Es besorgt mich, dass dann, wenn Obama eine Verstärkung des US-Engagements in Afghanistan ankündigt, andere Verbündete sofort erklären, sie könnten aber nicht mehr tun." Die transatlantischen Beziehungen könnten nur funktionieren, wenn beide Seiten bereit seien, mehr zu tun.

Bei der Sicherheitskonferenz zeichnet sich auch ab, dass die Nato zu ihrem 60. Geburtstag im April einen Strategiewechsel vorbereitet. Der neue US-Sicherheitsberater und ehemalige Nato-Oberkommandierende James Jones sagte am Rande des Treffens der Süddeutschen Zeitung , das Bündnis müsse seine Rolle überdenken.

Jones zeigte Sympathie für diese Idee, eine Gruppe unabhängiger Persönlichkeiten mit der Aufgabe zu betrauen. Ihm schwebt eine "bewegliche Allianz" vor, die auf die neuen Bedrohungen in der Welt "proaktiv" regieren kann, "um Konflikte vor ihrer Entstehung zu stoppen". "Und wir sollten bewusst jene Dinge verändern, die die Allianz von ihren Möglichkeiten abhält."

Schon am Vortag hatte sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier für eine Reform der Nato stark gemacht. Er plädiert für eine Art "Rat der Weisen", der ohne Scheuklappen Perspektiven für die Nato im nächsten Jahrzehnt entwerfen solle.

Jones zeigte sich ungeachtet des schroffen Auftritts des iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani und dessen harscher Kritik an den USA nicht völlig enttäuscht. Die Hand der Versöhnung bleibe ausgestreckt, sagte er.

Laridschani hatte auf der Sicherheitskonferenz nicht nur die US-Politik im Nahen Osten gegeißelt, sondern erneut den millionenfachen Mord an den Juden durch die Nazis bezweifelt.