Es sind beunruhigende Zahlen, die in diesen Tagen öffentlich werden: Im Dezember fiel die deutsche Industrieproduktion um zwölf Prozent, meldet das Statistische Bundesamt, so stark wie zuletzt 1991. Die Aufträge der Unternehmen sanken im vierten Quartal um mehr als 20 Prozent unter ihren Vorjahreswert. Continental, BMW, Opel - viele Unternehmen müssen Kurzarbeit anmelden. Und im Maschinenbau, der bis vor Kurzem noch von Rekordjahr zu Rekordjahr eilte, sind 25.000 Jobs in Gefahr.

Deutschland gerät zunehmend tiefer in den Strudel der Weltwirtschaftskrise. Wie lange die Rezession dauern wird, zeigen die Daten aber noch nicht. Das ist jedoch wichtig, weil etwa der Arbeitsmarkt kurze Abschwünge besser verkraftet als lange.

Glaubt man Ökonomen, hängt es von zwei Fragen ab, wie die deutsche Volkswirtschaft am Ende des Jahres dasteht: Gelingt es den Regierungen, das Finanzsystem zu stabilisieren? Und: Zünden die Konjunkturprogramme, die die Staaten rund um den Globus auflegen? Beides ist mehr als ungewiss. "Die Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwicklung ist derzeit enorm", sagt Andreas Scheuerle, Konjunkturexperte der DekaBank.

Folgt man einer Studie dreier Stanford-Ökonomen, ist diese Unsicherheit allerdings nicht nur ein Übel, sondern sogar Grund zur Hoffnung. Weil die Ungewissheit derzeit ähnlich hoch sei wie zuletzt während der zweiten Ölkrise, kappten auch jene Unternehmen aus Vorsicht ihre Investitionen, die gar nicht von Kreditklemmen betroffen sind, schreiben die Forscher Nick Bloom, Max Flötotto und Nir Jaimovich in dem Papier mit dem Titel Really Uncertain Business Cycles. Anders formuliert: Der realwirtschaftliche Kern der Krise könnte weit kleiner sein, eine Erholung schneller kommen als gedacht.

Die Forscher berufen sich auf historische Analysen. Diese zeigen: Sind die Zeiten unsicher, reagieren Unternehmen stets mit Vorsicht, entlassen Beschäftigte, stoppen Investitionen und verstärken so den Abschwung. Lichtet sich der Nebel nach einiger Zeit wieder, kommen sie nicht umhin zu investieren, um all das nachzuholen, was liegen geblieben ist. Meist dauerte die Phase des Stillstands in der Vergangenheit nur kurze Zeit.