Anfang Januar war die Fernsehjournalistin Monica Lierhaus (38) nach einer Hirnblutung in ein künstliches Koma versetzt worden. Mutmaßliche Ursache: ein Aneurysma, eine Ausbeulung der Hirnschlagader. Die sind gar nicht so selten – jeder zwanzigste trägt eine oder mehrere dieser Gefäßbeulen mit sich herum. Der Fall der prominenten Moderatorin hat diese gefährliche Laune der Natur nun bundesweit bekannt gemacht. Wie man aber ein Aneurysma richtig behandelt, darüber herrscht bislang keine Einigkeit.

Typisch für eine Hirnblutung durch ein Aneurysma sind plötzliche stärkste Kopfschmerzen. Zum Teil ist ein Aneurysma Veranlagung, eine Schwäche der Zellen an der Gefäßinnenwand. Und es muss keine weiteren Folgen haben. Hoher Blutdruck und Rauchen erhöhen allerdings die Gefahr, dass die Ausbuchtung dem Blutstrom nicht standhält.

Besonders oft trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel Menschen zwischen 40 und 60 Jahren. Die Hälfte von ihnen stirbt daran, jeder Zehnte sogar, bevor der Notarzt kommt. Und die Hälfte der Überlebenden hat mit langfristigen Hirnschäden zu kämpfen. Um all diese Risiken zu minimieren, werden die Patienten nach raffinierten Konzepten behandelt.

Zuerst aber wird nach der undichten, ausgebeulten Stelle in den Blutgefäßen gefahndet. Nach der Gabe von Kontrastmittel ist sie auf dem Röntgenbild, der Angiographie, erkennbar. Und damit sie nicht erneut zur Gefahr wird, sollte sie möglichst ausgeschaltet werden. Dafür wurde eine Operationstechnik entwickelt, die als "Clipping" bekannt ist. Im Prinzip geht es darum, dass das Aneurysma mit einer Metallklammer abgeklemmt wird, so dass das Gefäß in Zukunft an dieser Stelle dicht hält.

Mitte der 1990er Jahre kam man auf die Idee, das Vorschieben eines dünnen Schlauches durch die Blutgefäße wie beim Herzkatheter auch für die Behandlung der Lecks in den Hirnarterien zu nutzen. Um so die Eingriffe zu umgehen, für die der Schädel geöffnet werden muss.

Die Technik des "Coiling" (wörtlich: Knäuelbildung) war geboren. Dafür wird der Katheter durch die Schlagader in Höhe der Leiste eingeführt und gelangt bis ins Gehirn. Dort wird die Ausbuchtung mit Platinspiralen gefüllt. Das Aneurysma wird zugestopft – wobei körpereigenes Gewebe beim Abdichten hilft.

Beide Techniken, Clippen wie Coilen, ziehen die Ausbuchtung auf verschiedene Art aus dem Verkehr, ohne dass das gesamte Gefäß dafür verschlossen werden müsste. Und beide wurden im Verlauf der Jahre perfektioniert. Das allerdings von zwei unterschiedlichen Ärztegruppen: Während das Clippen eine Domäne der Neurochirurgen ist, ist mit dem Coilen eine Therapieform hinzugekommen, derer sich die Neuroradiologen annehmen. Und zwar zunehmend.