Die internationale Herausforderung, mit der der neue US-Präsident konfrontiert ist, gewinnt an Komplexität dadurch, dass sie sich im Kontext von zwei gleichzeitigen und miteinander verwobenen Entwicklungen der Weltpolitik ereignet.

Die erste Entwicklung betrifft das Entstehen von globalen Problemen, die das menschliche Wohlergehen weltweit betreffen – Probleme wie Klima, Umwelt, Hunger, Gesundheit und soziale Ungleichheit. Diese Angelegenheiten führen zunehmend zu Unstimmigkeiten, weil sie in Zeiten eines globalen politischen Erwachens in den Vordergrund treten.

Die zweite Entwicklung betrifft eine andere fundamentale Veränderung: die Verschiebung der Macht von West nach Ost. Die 500-jährige Dominanz der Welt durch atlantische Mächte wird von einer neuen politischen und globalen Vormachtstellung von China und Japan abgelöst (die Nummer zwei und drei der Weltwirtschaft). Auf ihre Chance warten Indien und vielleicht ein erstarktes Russland, das noch nicht seine Identität gefunden hat, im Umgang mit der eigenen Vergangenheit gespalten ist und sich über seine Stellung in der Weltpolitik sehr unsicher ist.

Die gewaltige außenpolitische Aufgabe des neuen Präsidenten ist, den USA wieder globale Legitimität zu verschaffen, indem durch seine Initiative gemeinsam mit den politischen Partnern ein stärker integratives System der globalen Weltpolitik geschaffen wird. Vier kleine, aber strategisch bedeutungsvolle Wörter definieren das dafür notwendige Vorgehen: vereinigen, vergrößern, einbinden und befrieden.

Vereinigen heißt, Amerika und Europa (um genau zu sein: den USA und der EU) wieder gemeinsame Zielvorstellungen zu geben, die auf wirklich gemeinsame Entscheidungsfindungen hinauslaufen. Gleiches gilt für das Verhältnis der USA zur Nato. Zu diesem Zweck sind informelle, aber häufige Beratungen zwischen hochrangigen Politikern dringend notwendig, insbesondere nach acht Jahren grobschlächtiger Agitation der Marke “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ anstelle internationaler Diplomatie.

Es ist jedoch viel einfacher dieses Ziel zu benennen als es zu erreichen. Sowohl Amerikaner als auch Europäer wissen sehr wohl, dass es kein politisch einheitliches Europa gibt. Die einzige praktische Lösung auf nahe Sicht ist, einen wohldurchdachten Dialog zwischen den USA und jenen drei europäischen Staaten zu pflegen, die eine globale Ausrichtung und, in unterschiedlichem Maße, globales Interesse haben: Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Vergrößern heißt, eine breite Koalition aus denjenigen Partnern herzustellen, die dem Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit verpflichtet sind und eine wichtige politische und wirtschaftliche Rolle bei der Schaffung einer effektiveren Steuerung der Weltpolitik spielen wollen. Diese Partner müssen multilaterale Vorgehensweisen nicht nur aufrichtig verfechten, sondern auch bereit sein, die Kosten der Institutionalisierung dieser Koalition gemeinsam zu tragen.