Auf das neue ärztliche Bulletin hatte die CDU in Thüringen mit Spannung gewartet. Denn sie erhoffte sich dringenden Aufschluss, ob Dieter Althaus Regierungschef in Erfurt und Spitzenkandidat für die Landtagswahl Ende August bleiben kann. Am Dienstag teilte nun die Reha-Klinik am Bodensee, in der sich der CDU-Politiker von den Folgen seines schweren Skiunfalls erholt, mit, dass Althaus  nach Ansicht der Ärzte voraussichtlich "noch vor der Sommerpause" in die Politik zurückkehren könne.

Einen genauen Zeitpunkt nannte der ärztliche Leiter der Klinik, Prof. Joachim Liepert, zwar nicht. Er ging aber davon aus, dass Althaus wieder ganz gesund werde. Noch aber seien Ruhe und Entspannung wichtig für den Heilungsprozess.

Althaus war am 1. Januar beim Skilaufen in Österreich mit einer 41-jährigen Slowakin zusammengeprallt, die kurz danach starb. Der 50-
Jährige erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Zuletzt waren zunehmend Spekulationen aufgekommen, ob Althaus aufgrund seines Gesundheitszustands rechtzeitig vor der Wahl die politische Arbeit wieder aufnehmen könne – auch deshalb, weil außer seiner Familie praktisch niemand Zugang zu ihm hat.

Der ärztliche Leiter berichtete, der Ministerpräsident habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass er wieder politisch aktiv werden wolle. Der Tod seines Vaters und die Beerdigung hätten den Prozess der Genesung verzögert, aber insgesamt die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht beeinträchtigt. "Herr Althaus braucht Ruhe für seine Genesung", betonte Liepert. Deshalb sei die strikte Besuchsregelung weiterhin notwendig.

Mit einer Vernehmungsfähigkeit von Althaus rechnete der Mediziner etwa Mitte März. Gegen den Regierungschef ermittelt die Staatsanwaltschaft in Österreich wegen fahrlässiger Tötung. An den Unfall selbst und die Minuten davor erinnere sich Althaus nicht. "Dass die Erinnerung zurückkommen wird, ist sehr unwahrscheinlich", sagte Liepert.

Probleme mit dem Langzeitgedächtnis habe der Patient nicht. Zu schaffen machten ihm aber noch Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer.
"Eine Zeitung von vorn bis hinten durchlesen, wäre momentan noch zu viel Konzentration", sagte der Neurologe. Ab etwa Mitte März seien aus ärztlicher Sicht dann auch wieder Kontakte zu Politikern möglich.

Die Thüringer CDU reagierte mit Erleichterung auf die Prognose der Ärzte. "Wir ziehen mit ihm in die Landtagswahl. Dieter Althaus ist unser Spitzenkandidat", freute sich seine Stellvertreterin in Regierung und Partei, Birgit Diezel. Die Finanzministerin, die den 50-Jährigen seit dem Unfall am Neujahrstag vertritt, will Althaus im März in der Reha-Klinik besuchen. Sie werde mit ihm unter anderem über den Parteitag im März zur Aufstellung der Kandidatenliste für die Landtagswahl sprechen, kündigte Diezel an. Dort soll Althaus auf Platz 1 gewählt werden.