Der Abschwung ist nahezu beispiellos: Im Dezember ging die Industrieproduktion in der Euro-Zone um 2,6 Prozent zum November zurück, meldet die europäische Statistikbehörde Eurostat an diesem Donnerstag. Verglichen mit dem Vorjahr sackte die Produktion sogar um zwölf Prozent ab. Das ist der stärkste Rückgang seit dem Beginn der Datenerhebung im Jahr 1990.

Die Financial Times Deutschland berichtet zudem über eine interne Analyse der EU-Kommission, derzufolge die Wirtschaftskrise in allen Industriesektoren Europas erhebliche Einbrüche auslösen wird. Das Blatt zitiert EU-Industriekommissar Günter Verheugen mit den Worten: "Völlig neu sind Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise".

Die Studie beschreibt an Beispielen aus dem verarbeitenden und dem Baugewerbe, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise überall zu bisher nicht gekannten Produktions- und Absatzrückgängen geführt hat. Der Geschäftsklimaindex BCI, den die EU-Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen seit 1985 erstellt, sackte auf das niedrigste Niveau seit seiner Einführung.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht vorerst kein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt. "Für die kommenden Quartale geht der EZB-Rat nach wie vor von einer anhaltenden Konjunkturschwäche im Eurogebiet aus", heißt es im aktuellen Monatsbericht der Zentralbank. Bereits Ende vorigen Jahres habe die Krise offenbar zu einem kräftigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geführt.

Die EZB kommt zunehmend unter Zugzwang, die Zinsen weiter zu senken. Mehrere Zentralbanker deuteten an, dass sie eine Lockerung der Geldpolitik im März befürworten. Das österreichische EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell sagte: "Wir haben den zinspolitischen Spielraum noch nicht ausgeschöpft." Analysten rechnen damit, dass die Zentralbank die Zinsen um einen halben Prozentpunkt auf 1,5 Prozent senken wird.

Die Währungshüter warnten die Politik zugleich vor davor, protektionistische Maßnahmen zu ergreifen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte angekündigt, die französischen Autobauer dürften milliardenhohe Hilfskredite des Staates nur zu Hause ausgeben, was unter anderem in Deutschland und Tschechien auf Widerstand stößt.

Die EZB mahnte die Regierungen in der Euro-Zone, die Staatsverschuldung im Zaum zu halten. "Um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen zu stärken, ist es unabdingbar, dass sich die Regierungen so bald wie möglich wieder auf ein glaubwürdiges Bekenntnis zu mittelfristigen Haushaltszielen besinnen", forderte die Zentralbank. Die EU-Kommission erwartet, dass sieben Euroländer in diesem Jahr die im EU-Stabilitätspakt festgelegte Obergrenze für das Haushaltsdefizit von drei Prozent des BIP wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise durchbrechen werden.