An den Finanzmärkten muss man immer dann besonders vorsichtig sein, wenn sich alle zu einig sind. Das gilt auch bei der Beurteilung des Bankenrettungsplans der US-Regierung, den Finanzminister Timothy Geithner jüngst vorstellte.

Die Reaktion der Börsianer war einhellig: "Enttäuschend", "nichtssagend", "ohne klare Details". Dies sei der schlechteste Start eines amerikanischen Finanzministers, der jemals verzeichnet worden sei.

Doch Gemach: Ein kleines Researchhaus stellt sich gegen die Herde – mit guten Argumenten. Die Sentimentanalysten von sentix lobten die große und umfangreiche Ursachenanalyse, die Geithner vorgelegt habe. Darin geht es um Banken, die ohne ausreichende Risikomodelle immer weiter Kredite vergeben haben; um Notenbanken und Aufsichtsbehörden, die das nicht unterbanden; um Regierungen, die nach dem Beginn der Krise zu zögerlich zu Werke gingen.

Und sentix lobt Leitlinien, welche Geithner für seine Politik aufstellte. Denn sie verpflichten die Banken (besonders jene der Wall Street) dazu, alles zu tun, was der Volkswirtschaft, den Immobilienbesitzern und den Konsumenten hilft, um aus der Krise zu kommen.

Gleichzeitig will die Regierung den amerikanischen Banken offensichtlich die toxischen Papiere aus ihren Immobilienkrediten abkaufen und in einen staatlich geförderten Hedgefonds einbringen, der privatem Kapital offen steht. Das wird zu weiteren Abschreibungen bei den Banken führen, denen die Regierung deshalb neues Kapital zur Verfügung stellen wird.

Der Plan erscheint gut, birgt allerdings große Gefahren für Europas Geldhäuser. Denn bislang gibt es keinen Markt und damit auch keine Marktpreise mehr für viele der strukturierten Produkte, die den Instituten der Welt so schwer zu schaffen machen.