Die Suche nach Luxus fällt schwerer als erwartet. Am Ortseingang von Weissach, rund 20 Kilometer von Stuttgart entfernt, steht die neu erbaute Strudelbachhalle, ein postmodernes Gebäude mit mächtigen Säulen und geschliffener Sandsteinfassade. Im Zentrum des Dorfes jedoch, das von steilen Hängen eingerahmt wird, vertrügen manche Häuser einen frischen Anstrich. In Häuserlücken gedeihen Wildkräuter. Wenig deutet darauf hin, dass die 7500-Einwohner-Gemeinde dieses Jahr die höchste Pro-Kopf-Gewerbesteuereinnahme des Landes kassieren wird. Mit 55 Millionen Euro hatten die Gemeindehaushälter gerechnet – 155 Millionen sind es, zu aller Überraschung, geworden.

Weissach liegt im tiefsten schwäbischen Pietistenland, wo die Zurschaustellung privaten Besitzes wenig zählt und das Wort des Herrn viel. Nicht vorstellbar, dass die Dorfbewohner jemals auf den Gedanken kämen, ihre Straßen mit marmornen Zebrastreifen zu schmücken, wie sie sich Sindelfingen in den siebziger Jahren leistete, als Daimler noch Gewerbesteuern in Millionenhöhe zahlte und die Zukunft auf alle Zeit golden zu sein schien.

Zu der bescheidenen Grundhaltung passen allerdings die Porsche-Firmenfahrzeuge schlecht, die jeden Morgen durch die Ortsmitte kreuzen, bevor sie in die Porschestraße einbiegen, vorbei an der Ferdinand-Porsche-Schule, um mit lautem Turbopfeifen die steile Straße aus dem Tal heraus in Angriff zu nehmen.

Ziel der schneidigen Fahrer mit Hemd und Krawatte ist das Porsche-Entwicklungszentrum oberhalb von Weissach, zu dem die hauseigene Teststrecke des Sportwagenbauers gehört. Das Brüllen der Motoren und das Quietschen von Breitreifen verliert sich tagsüber nie über dem Strudelbachtal.

Doch kaum jemand beschwert sich. Denn dem Firmenareal verdankt Weissach seinen Reichtum. 4000 Ingenieure feilen ununterbrochen an den Modellen der Zukunft. Seit der viertürige Panamera in die Modellpalette aufgenommen wurde, platzt das Entwicklungszentrum aus den Nähten. Bald soll angebaut werden. Weitere Äcker sind bereits aufgekauft worden, alles wartet auf den Startschuss durch den Unternehmensvorstand. Einsam mahnt ein Schild: "Das ist unser Erholungsgebiet".

hat Luxussorgen: die parteilose Bürgermeisterin Ursula Kreutel © privat

Wendelin Wiedeking aufmerksam zugehört, als er kürzlich von Verkaufsrückgängen und Sparmaßnahmen sprach.  Was sie hörte, hat ihr die Freude über die Rekordsteuereinnahme zum Teil wieder genommen. "Wer weiß, wie es Porsche in zwei Jahren geht", sagt sie. Den Geldsegen, von dem außerdem ein großer Teil über die Kreisumlage wieder abgeführt werden muss, will sie deshalb zinsbringend anlegen. Niemand im Dorf hat etwas dagegen. Ein alter Weissacher sagt: "Ich finde es gut, dass man in guten Zeiten Geld beiseite legt."

Ursula Kreutel, seit zweieinhalb Jahren parteilose Bürgermeisterin des Ortes, hat Porsche-Chef