Xiao Mengdie hat sich an vieles noch nicht richtig gewöhnt. Zum Beispiel daran, dass man nicht alles in Deutschland toll finden muss. "Es gefällt mir sehr, sehr gut", sagt sie gleich mehrfach hintereinander. Die 18-jährige Chinesin ist schüchtern, redet nur, wenn sie angesprochen wird. In China ist es nicht üblich, als Frau forsch und selbstbewusst aufzutreten, Nein sagen gilt als unhöflich, und dass etwas nicht gefällt, behält man lieber für sich.

Das ist in Linnich anders. Das 4000-Seelen-Dorf in der Nähe von Jülich bei Aachen ist seit einem halben Jahr Mengdies neue Heimat. Dort besucht sie das Freshman-Programm der Fachhochschule Aachen, ein zehnmonatiger Kurs, der auf das Studium in Deutschland vorbereitet. In Linnich ist nicht nur das Auftreten der Menschen anders: Auch die Größe des Ortes, die fehlenden Hochhäuser und die für chinesische Standards saubere Luft erinnern Mengdie jeden Morgen daran, wie weit weg sie von zu Hause ist.

Sie hat viel auf sich genommen, um den Vorbereitungskurs und danach ein Studium zu absolvieren. "Deutschland ist ein angesehenes Land", sagt sie. Noch ist ihr Deutsch holprig, bis zum Sommer muss es so gut sein, dass sie eine Sprachprüfung besteht. Außerdem stehen Klausuren in Englisch, Mathematik, Physik und Chemie an. Das sind die Fächer, die im Freshman-Jahr unterrichtet werden und die Bestandteil der technischen Studiengänge an der FH Aachen sind, für die sich die Absolventen im Anschluss bewerben können.

Das Linnicher Programm war das erste seiner Art in Deutschland, inzwischen gibt es einige Nachfolgeprojekte an anderen Unis. In den USA dagegen gehört diese Art der Vorbereitung für alle Studenten, nicht nur für Ausländer, seit Jahrzehnten zum Programm: "Das ist in Amerika ein integraler Bestandteil des Studiums", sagt Hans-Josef Ackermann, stellvertretender Leiter des Linnicher Freshman Institutes.