Klaus Franz scheint zu ahnen, dass es jetzt drauf ankommt. In zornigem Ton wandte sich der Opel-Betriebsratschef am Montag in einem Brief an Aktionäre und Mitarbeiter. Der Sanierungsplan der Konzernmutter General Motors (GM) sei "untragbar", polterte der Arbeitnehmervertreter. Dieser führe zum Untergang der europäischen Marken des einst so stolzen Konzerns: Saab, Vauxhall, Opel. Werde der Plan Realität, hätte dies "dramatische Folgen".

Es ist nicht zuletzt der hoffnungsfrohe Titel des Sparplans aus Detroit, der bei den Opelanern Befremden auslösen dürfte: "Renaissance". An diesem Dienstag will der Mutterkonzern das Rettungsprogramm in Washington vorstellen, um weitere Staatshilfen zu erhalten und bereits gezahlte nicht zu verlieren. Doch offenbar steht für die deutsche Tochter Opel kein Aufbruch an, wie der Name verheißen lässt, sondern Abbau.

Der Branchendienst Automotive News Europe berichtet, dass der amerikanische Konzern die Schließung von mindestens drei Werken in Westeuropa erwäge, darunter eines der vier Opel-Werke in Deutschland. Bis zu 1,6 Milliarden Euro will das Unternehmen auf dem alten Kontinent einsparen und die Produktion um ein Drittel zurückfahren, heißt es. Bislang hatte GM lediglich angekündigt, die schwedische Tochter Saab abzustoßen und in eine neue Gesellschaft auszulagern. 10.000 Stellen will der Konzern bislang streichen, davon bis zu 4000 in Europa. Bei Opel, so beteuerte bislang GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster, werde es keine Kündigungen geben. Dieses Versprechen steht nun in Frage.

Zunächst bekommt GM weitere vier Millarden Dollar an Staatshilfen, die das Unternehmen dringend braucht, um die nächsten Monate zu überstehen. Es werde am Dienstag zur Verfügung gestellt, teilte ein Vertreter des Präsidialamts am Montag (Ortszeit) in den USA mit. Ist die Regierung nicht mit dem Sanierungsplan zufrieden, kann sie bis Ende März das bisher geflossene Geld – Ende 2008 waren es nochmal 9,4 Milliarden Dollar –  zurückrufen. Das würde den angeschlagenen Autobauer mit großer Wahrscheinlichkeit in den Konkurs stürzen.

Wie immer die amerikanische Regierung auch entscheiden wird: Der deutschen Tochter Opel stehen harte Zeiten bevor. "Das Schicksal von Opel hängt derzeit an General Motors", sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Zieht die Konzernmutter ihren Sparkurs durch, sind die Arbeitsplätze bei Opel genauso in Gefahr wie im Falle einer Insolvenz von GM, der eine Zerschlagung des Konzerns folgen könnte.

Rund 26.000 Menschen arbeiten in den deutschen Opel-Werken in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Betroffen wären aber auch die Zulieferer und Händler. Mit jeder Stelle, die hierzulande verschwände, gingen weltweit zwei weitere verloren, so lautet eine Faustformel der Branche. Es geht also um nahezu 80.000 Arbeitsplätze.

Landespolitiker aber auch Opel-Betriebsratschef Franz sehen derzeit nur noch eine Alternative, um die Arbeitsplätze zu sichern: die Trennung des Unternehmens vom US-Konzern. "Es gibt kein 'Weiter so' mit GM, wir sehen nur eine Perspektive in der Herauslösung", so formuliert es Franz in dem Schreiben an die Mitarbeiter ultimativ.