ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, wie oft haben Sie sich in der Umkleidekabine über Politik unterhalten?

Thomas Hitzlsperger: Da muss ich überlegen. Nein, ich habe mich in der Kabine noch nie über Politik unterhalten. Ich will das auch niemandem aufzwingen. Es kam mal vor, dass ich in der Kabine nicht den Sportteil einer Zeitung gelesen habe. Da kam schon die Frage, wo ist der Sportteil.

ZEIT ONLINE: Passt das eigentlich zusammen, Politik und Fußball?

Hitzlsperger: Ich glaube, es gibt wenige Fußballer, die sich über Politik äußern. Umgekehrt ist das anders.

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ZEIT ONLINE: Haben Fußballer kein Interesse an Politik?

Hitzlsperger: Doch, ich denke schon. Sie sprechen nur nicht darüber, weil es gefährlich ist.

ZEIT ONLINE: Gefährlich?

Hitzlsperger: Es ist ein Risiko, wenn Fußballer politisch werden. Wenn sie sich über etwas äußern, ohne genau darüber Bescheid zu wissen. Ein paar unbedachte Aussagen sind gefährlich. Ich kenne Politiker nur aus Zeitung und Fernsehen, da ist ein Urteil schwer. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

ZEIT ONLINE: Kennen Sie keinen Politiker näher?

Hitzlsperger: Die Bundeskanzlerin war ein paar mal in der Kabine der Nationalmannschaft. Während der WM 2006 und vor dem Spiel gegen England im vergangenen November lud sie die Mannschaft ins Kanzleramt ein. Frau Merkel ein paar Fragen zu stellen, war sehr interessant.

ZEIT ONLINE: Was wollten Sie wissen?

Hitzlsperger: Vor der WM habe ich gefragt, ob es ein Fehler war, den Wirtschaftsprofessor Paul Kirchhof, der das Steuersystem vereinfachen wollte, ins Wahlkampf-Team mit aufzunehmen.

ZEIT ONLINE: Was hat sie erzählt?