Die "Systemrelevanz" der Hypo Real Estate wird in der Bankbranche oder in der Politik kaum jemand bestreiten. Damit ist gemeint, dass eine Pleite der Bank nicht nur verheerende Wirkung auf die Aktionäre, also die Eigentümer, hätte, sondern auch unabsehbare Folgen für sehr viele Bereiche der Gesellschaft.

Weshalb darf die HRE nicht pleitegehen?

Die Hypo Real Estate ist so etwas wie die deutsche Lehman-Brothers-Bank. Fällt sie, zieht sie viele weitere Geldinstitute mit in den Abgrund. Das liegt daran, dass andere Banken der HRE Geld geliehen haben, das sie im Fall einer Insolvenz zum großen Teil abschreiben müssten. Die Folgeschäden wären wahrscheinlich schlimmer als eine Verstaatlichung der Bank. Zudem haben sich die Regierungen der großen Industrienationen – als Lehre aus der Lehmann-Brothers- Pleite – gegenseitig zugesichert, systemrelevante Banken nicht mehr in die Pleite gehen zu lassen.

Die HRE ist kein Bankinstitut im herkömmlichen Sinn. Sie finanziert sich nicht – wie etwa Sparkassen – aus den Einlagen von Privatpersonen, die ihr Geld auf Konten anlegen. Ihre Refinanzierung vollzieht sich zu großen Teilen aus dem Anleihegeschäft. Man nennt die HRE mit ihrer Tochter Depfa auch einen Staatsfinanzierer. Das heißt, die Bank ist aufs Engste mit den Haushaltsfinanzierungen von Bund, Ländern und Kommunen verflochten.

Zudem finanziert die HRE eine ganze Reihe großer Investitionsprojekte, etwa im Schienen- oder Straßenbau. Außerdem gehört sie zu den größten Emittenten auf dem deutschen Pfandbriefmarkt. Pfandbriefe, besonders sichere Anleihen, haben bei der HRE eine ganze Reihe von Krankenkassen, Kommunen, Landkreisen und Berufsgenossenschaften gezeichnet. Im Insolvenzfall wäre deren Geld – und damit das Geld von Versicherten und Steuerzahlern – zumindest teilweise verbrannt.