Wirtschaftsminister Kaoru Yosano wird die Aufgaben Nakagawas übernehmen. Zusätzlich werde Yosano auch die Finanzdienstleistungs-Behörde führen, teilte Ministerpräsident Taro Aso am Dienstag unmittelbar nach dem Rücktritt Nakagawas mit. Der hatte zuvor den genauen Zeitpunkt seines Rücktritts offen gelassen. Er wollte noch den Nachtragshaushalt zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise durch das Oberhaus bringen, während der Rekordhaushalt von umgerechnet 760 Milliarden Euro für das am 1. April beginnende Finanzjahr 2009/2010 derzeit im Unterhaus beraten wird.

Die Börse in Tokyo reagierte mit einem Minus auf den Rücktritt: Der Nikkei-Index fiel auf den tiefsten Stand seit fast vier Monaten und schloss mit einem Minus von 1,35 Prozent bei 7645,51 Punkten.

Der Minister hatte sich für sein Fehlverhalten auf der Pressekonferenz nach dem Treffen der Finanzminister- und Notenbankchefs bereits am Montag entschuldigt. Vorwürfe, er sei betrunken gewesen, wies der 55-jährige bei seiner Rücktrittserklärung erneut zurück. Er habe zwar beim Essen am Wein genippt, "aber nicht mal ein Glas getrunken". Er habe zu viele Medikamente eingenommen, um eine Erkältung zu bekämpfen, versicherte er. Der Minister hatte auf der Pressekonferenz am Samstag mit lallender Stimme gesprochen. Er war derart indisponiert, dass er sogar eine an den Notenbankchef gerichtete Frage beantworten wollte. Dabei hielt er den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen.

Für Regierungschef Taro Aso kommt der Rücktritt eines seiner engsten Vertrauten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Er sieht sich mit stark gesunkenen Popularitätswerten konfrontiert, während spätestens im Herbst die Unterhauswahl ansteht. Japan steht auch wirtschaftlich nicht gut da: In der weltweiten Krise hat das Land Ende vorigen Jahres den größten Konjunktureinbruch seit der Ölkrise im Jahr 1974 erlitten.

Die Mitteilung von Nakagawas Rückzug wurde ausgerechnet beim Antrittsbesuch der neuen US-Außenministerin Hillary Clinton in Japan bekannt. Das Land ist für Washington seit einem halben Jahrhundert der engste Verbündete in Asien.