Das Gericht von Chefankläger Serge Brammertz wirft Radovan Karadžić nun Völkermord in zwei Fällen vor: für die Vertreibungsaktionen im gesamten Bosnien-Herzegowina und für das Massaker in Srebrenica 1995. Er gilt als Hauptverantwortlicher für die Tat, bei der fast 8000 bosnische Muslime starben. Die bisherige Anklage vor dem UN-Gericht umfasste nur eine Völkermordanklage, bezog sich aber auf eine größere Zahl an Tatorten. Statt der bisher 41 Orte in Bosnien-Herzegowina, an denen Verbrechen verübt wurden, soll sich Karadžić nur für Taten in 27 Ortschaften verantworten.

Dem einstigen bosnischen Serbenführer legt das Gericht insgesamt elf Anklagepunkte zur Last, darunter auch Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnien-Krieg von 1992 bis 1995.

Bei seinem zweiten Auftritt vor dem Tribunal am 29. August 2008 hatte Karadžić zu den Vorwürfen geschwiegen und nur gesagt, er wolle die aktualisierte Fassung der Anklageschrift abwarten. Mit der Konzentration auf weniger Tatorte will das Gericht den Prozess beschleunigen. Der 63-Jährige, der sich selbst verteidigt, muss sich am Freitag schuldig oder nicht schuldig zu der neuen Anklage bekennen.

Karadžić war im Juli 2008 in Belgrad festgenommen worden. Unter geändertem Namen hatte er zuvor jahrelang unbehelligt als Heilpraktiker gearbeitet und sich mit einem dichten weißen Bart und langen Haaren getarnt. Sollte das Gericht Karadžić schuldig sprechen, muss er mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.