"Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs", warnte der Direktor der UN-Organisation gegen Drogen- und Menschenhandel (UNODC), Antonia Maria Costa in New York als er den internationalen Untersuchungsbericht "Trafficking in Persons" vorstellte.

"Die Zahlen werden sicher noch steigen, weil die Wirtschaftskrise das Reservoir potenzieller Opfer und die Nachfrage nach billigen Waren und Dienstleistungen noch erhöht", sagte er.

Dem Bericht zufolge ist sexuelle Ausbeutung mit 79 Prozent die häufigste Form des modernen Menschenhandels, gefolgt von Zwangsarbeit mit 18 Prozent. Fast ein Fünftel der Opfer sind Kinder, in manchen Regionen wie West Afrika sind fast ausschließlich Minderjährige betroffen.

"Die feinen Finger der Kinder werden missbraucht, um Fischernetze zu knüpfen, Luxuskleider zu nähen oder Kakaobohnen zu ernten. Ihre Unschuld wird für Bettelaktionen, Prostitution und Kinderpornografie ausgenutzt", sagte Costa. Kleine Jungen müssten als Kindersoldaten den Umgang mit einem Gewehr lernen, ehe sie lesen könnten.

Der UN-Experte forderte ein schärferes Vorgehen gegen diese Art von Kriminalität. 40 Prozent der insgesamt 155 untersuchten Länder hätten keine einzige Verurteilung wegen Menschenhandel gemeldet. "Viele Regierungen leugnen die Tatsache der modernen Sklaverei", kritisierte er. "Entweder sind diese Länder blind für das Problem oder schlecht vorbereitet, es anzupacken - oder beides."

Viele Formen des Menschenhandels seien auch nicht ausreichend dokumentiert. Der Bericht stellt fest, dass Daten und ein globales Verständnis für das Problem fehlten. Im Vergleich zum Drogenhandel etwa, wo man inzwischen genau wüsste, wie es um Produktion, Konsum oder Handel aller möglicher Sorten von Drogen in unterschiedlichen Ländern stünde.