Philipp Mißfelder hat sich wohl wieder einmal vertan. Vor sechs Jahren erzürnte der Bundesvorsitzende der Jungen Union die deutschen Rentner , als er mit einem radikalen Vorschlag für die Reform der Sozialsysteme aufwartete.

Damals verlangte Mißfelder, die Leistungen der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung auf eine reine Grundversorgung zurück zu fahren: Die Sozialsysteme seien "nicht dafür zuständig", dass jeder Senior "fit für einen Rentner-Adventure-Urlaub" sei. Er halte nichts davon, "wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen", sagte der Nachwuchspolitiker damals.

Eine Feststellung von ähnlicher Qualität kommt nun von Mißfelder zum Suchtverhalten von Arbeitslosengeld II-Empfängern. Beim Frühschoppen des CDU-Ortsverbandes Haltern in Nordrhein-Westfalen sagte der 29-Jährige laut einem Bericht der Ruhr Nachrichten : "Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie."

Vermutlich bezog er sich damit auf die Erhöhung des Regelsatzes für Kinder zum 1. Juli. Eigentlich wollte Missfelder auf der Veranstaltung in Haltern über "Wege aus der Konjunkturkrise" sprechen.

Postwendend sorgte der JU-Chef mit dieser Äußerung für Empörung bei den Sozialverbänden. Der Bundesvorstand der Arbeiterwohlfahrt Rainer Brückers sagte, die Aussage des CDU-Politikers bezeugten "eine völlige soziale Inkompetenz".