Die Bilanz der internationalen Modenschauen ist so mager wie sonst nur die Models. In Paris, Mailand und New York wird an allen Ecken und Enden gespart - die Liebhaber der Modewochen müssen derzeit einiges ertragen. Zuerst sparte Ende Januar die Pariser Haute Couture einen ganzen Veranstaltungstag ein und zeigte fünf Schauen weniger als im Jahr zuvor. Dann verließen in New York zahlreiche Designer den angestammten Schauplatz Bryant Park, wo ein Zeltplatz zwischen 28.000 und 58.000 Dollar, umgerechnet zwischen 22.200 und 46.000 Euro, kostet - pro Stunde. Sie suchten sich preiswertere Locations oder blieben einfach ganz weg. Stellten im September 2008 noch 72 Designer aus, schrumpfte ihre Zahl in diesem Jahr auf nur knapp über 60. Und jetzt knapst auch noch die Mailänder Modewoche den enttäuschten Fashionistas einen ganzen Tag Laufstegfreuden ab. Eigentlich sollte die Fashionweek in Italien vom 25. Februar bis zum 4. März stattfinden, nun endet sie bereits am 3. März. Mailand zeigt 10 Prozent weniger Schauen als sonst.

Auch die Laufstege selbst geben ein bescheideneres Bild ab. Vergeblich suchte man auf vielen Catwalks ein bekanntes Gesicht. Weit und breit keine Agyness Deyns, Coco Rochas oder Jessica Stams. Preiswertere Katalog-Models trugen die Entwürfe vor. Der Chef der Londoner Agentur Premier Model Management, Aidan Jean-Marie, bestätigt, dass Klienten, die bisher bereit waren, eine Tagesgage von 3000 Pfund, etwa 2300 Euro, zu bezahlen, nun mit dem halben Budget haushalten.

Wohin man auch blickt, alles wird eine Nummer kleiner. Der Designer Gustavo Lins in Paris zeigte seine jüngste Show in einer 35 Quadratmeter großen Galerie. Die Zuschauer saßen zusammengepfercht auf dem Fußboden, Stühle gab es keine. Nur eine Handvoll Models präsentierten die Kollektion, mit der sich der Modeschöpfer nach eigener Aussage auf das Wesentliche beschränke. Viele Teile hat der ehemalige Architekt auf Funktionalität hin entworfen: Pullovern wurde der passende Schal direkt an den Kragen gestrickt, Schals wiederum dienen bei Lins durch eingearbeitete Taschen gleichzeitig als Handtasche. Die Schnitte sind für Männer und Frauen zum Teil identisch, also Unisex, nur die Größen variieren. Das ist praktisch, ökonomisch – und sehr ungewöhnlich für die sonst nicht eben für Zweckmäßigkeit bekannte Haute Couture.

Erstaunlich schlicht ging es auch auf anderen Schauen zu. Marc Jacobs verschickte statt 2000 Einladungen für seine New Yorker Show nur noch kümmerliche 700, sorgte aber immerhin für Sitzgelegenheiten. Vera Wang und Betsey Johnson funktionierten ihre Verkaufsräume zur Bühne um und Adeline André präsentierte in Paris eine Mini-Kollektion aus sieben Einzelteilen, die miteinander kombiniert ein Kleid ergeben. Eine einzige Robe wird zur Garde-Robe. Die ultimative Antwort auf die Krise, möchte man meinen. Doch die Designerin sieht darin keinen neuen Zusammenhang. "Krise oder nicht Krise, das ist letztendlich gleich", sagt sie. "Für mich als Designerin war immer Krise, daran ändert sich nichts."

Für Anne Valérie Hash scheint dies nicht zu gelten. Die französische Modeschöpferin, die erst seit vergangener Saison Mitglied der Haute Couture ist, zog es vor, in diesem Jahr keine große Show zu veranstalten. "Es wäre rücksichtslos, eine Modenschau zu veranstalten, wo es doch meine Aufgabe ist, die Gehälter meiner Angestellten zu sichern," sagt sie.