30 Jahre nach dem Ende der unmenschlichen Herrschaft der kommunistischen Fanatiker in Kambodscha stehen die ersten Hauptverantwortlichen vor Gericht. Einer von ihnen ist Kaing Guek Eav, genannt Duch, der das Foltergefängnis Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh leitete, in dem zwischen 1975 und 1979 mehr als 16.000 Menschen umkamen. Auf dem Gelände eines Massengrabs vor den Toren der Stadt, einem von unzähligen " Killing Fields ", sind heute die Schädel von mehr als 8000 Opfern in einer Gedenkstätte zu besichtigen.

Der 66-jährige Duch ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er wurde in einem kugelsicheren Fahrzeug zum Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Phnom Penh gefahren, wo 500 Zuschauer auf den Beginn der Anhörung warteten. Im Gerichtssaal saß er in blauem Hemd mit offenem Kragen hinter seinem Verteidiger und verfolgte die Verhandlung aufmerksam mit versteinertem Blick. Angesichts der 1999 begonnenen Untersuchungshaft kündigte sein Anwalt unter Verweis auf kambodschanisches Recht einen Antrag auf Haftentlassung an.

Der kambodschanischen Chefanklägerin Chea Leang assistiert unter anderem der deutsche Staatsanwalt Jürgen Aßmann. Bei der ersten Anhörung ging es um die Auswahl der Zeugen und die Festlegung des weiteren Zeitplans, die Beteiligten erörterten Details und Verfahrensfragen. Duchs Verteidiger Francois Roux forderte Respekt für die Menschenrechte seines Mandanten. Er legte Einspruch gegen den Antrag ein, einen neuen Nebenkläger zuzulassen, der sich erst nach Ablauf der gesetzten Frist gemeldet hatte.

Die eigentliche Verhandlung mit Zeugenaussagen soll Ende März beginnen. Duch, ein früherer Mathematiklehrer, hatte sich nach dem Ende der Roten-Khmer-Herrschaft jahrelang versteckt. Ein Journalist spürte ihn 1999 auf. Seine Schuld hat Duch bereits eingestanden und die zu erwartende Strafe akzeptiert. Der zum Christentum konvertierte Angeklagte bat seine Opfer zudem um Verzeihung. Der Prozess dürfte drei bis sechs Monate dauern.

Neben ihm soll voraussichtlich im kommenden Jahr vier weiteren Angeklagten der Prozess gemacht werden, die hohe politische Verantwortung für das Regime trugen. Darunter sind der ehemalige Staatschef Khieu Samphan, Außenminister Ieng Sary, dessen Frau und Sozialministerin Ieng Thirith sowie der Chefideologe Nuon Chea.