Fast genau 30 Jahre nach dem Sturz des Pol-Pot-Regimes ist Gefängniskommandeur Duch vor Gericht gestellt worden. Vor dem national und international besetzten Gremium in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, muss er sich für Verbrechen der Khmer-Rouge-Ära verantworten. Etwa zwei Millionen Menschen fielen zwischen 1975 und 1979 dem Terror der Roten Khmer zum Opfer.

Duch war Leiter des Hauptquartiers der Geheimpolizei (Santebal) der Kommunistischen Partei von Kampuchea (CPK), genannt S21. Das wurde im Oktober 1975 eingerichtet und unterstand direkt dem Zentralkomitee der Partei. In der ehemaligen Höhere Schule Pohna Yat Lycéé von Phnom Penh wurden, so die Anklage, unter der Leitung von Duch wenigstens 12.380 Menschen gefoltert und getötet, Abertausende von erpressten Geständnissen, Tausende Fotos der Opfer und Leichen, ihre Knochen, Schädel, Kleiderreste auf dem Exekutionsgelände von Choeng Eak ("Killing Fields") vor der Stadt geben Zeugnis der Gräueltaten.

Das Khmer-Rouge-Tribunal wurde eingerichtet, nachdem die kambodschanische Regierung 1997 die Vereinten Nationen offiziell um Hilfe bei der Verfolgung der Khmer-Rouge-Verbrechen ersucht hatte. Im Jahre 2001 hat die Nationalversammlung Kambodschas ein Gesetz erlassen, das die Einrichtung eines außergewöhnlichen Gerichtes im Rahmen der kambodschanischen Gerichtsbarkeit erlaubte – Extraordinary Chamber s in the Courts of Cambodia for the Prosecution of Crimes Committed during the Period of Democratic Kampuchea (ECCC). In den verschiedenen Kammern arbeiten internationale und kambodschanische Richter zusammen. Das Verfahren kostet rund 20 Millionen Dollar im Jahr, 35 Länder haben sich an der Finanzierung beteiligt, die ab diesem Monat eines Anschlusses bedarf.