Die Solidarität mit der Uni Witten-Herdecke (UWH) war groß, als diese Ende des vergangenen Jahres vor der Pleite stand. Nun steht die Uni unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und prüft, ob die UWH in den Verhandlungen um die Landeszuschüsse eine Betrugsabsicht hatte, bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Bericht der Online-Ausgabe der Dortmunder Ruhr Nachrichten.

Es geht um 4,5 Millionen Euro Zuwendungen aus dem Jahr 2007, die als Fehlbetragsfinanzierung zur Unterstützung der finanzschwachen Hochschule geflossen sind. Die Hochschule erhält jährlich einen Millionenbetrag, um Fehlbeträge auszugleichen. Im vergangenen Jahr habe das Ministerium festgestellt, dass das Defizit offenbar geringer gewesen sei, als von der Hochschule ausgewiesen. Deshalb seien drei Millionen Euro zurückgefordert worden. Die Staatsanwaltschaft solle nun strafrechtliche Aspekte prüfen, sagte ein Sprecher in Düsseldorf.

Gegen die Rückforderung hatte die Hochschule bereits Klage eingereicht. Der Finanzplan 2007 ist aus Sicht der Hochschule korrekt gewesen.

Das Innovationsministerium NRW hatte der Staatsanwaltschaft Unterlagen zugeleitet. Sie sollte entscheiden, ob es Anhaltspunkte zur Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gibt. "Nach Durchsicht der Akten sind weitere Fragen zu klären. Das können wir nur durch die Ermittlungen näher prüfen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen, Bernd Bienioßek.

Auswirkungen auf den Bestand der Privatuniversität haben die Ermittlungen nicht. Das Ministerium hatte sich erst Ende Januar mit der angeschlagenen Hochschule sowie einem Kreis neuer und alter Geldgeber auf ein Finanzierungskonzept geeinigt. Für 2009 und 2010 stellt das Land dabei mit insgesamt 13,5 Millionen Euro eine besonders hohe Förderung bereit. Es liege dem Ministerium daran, dass die Hochschule weitergeführt wird, sagte ein Sprecher.