Eis, wohin das Auge schaut – die Antarktis wird von dem kalten Element dominiert. 98 Prozent der Kontinentalfläche sind vergletschert; an manchen Stellen erhebt sich der Eisschild mehr als 4500 Meter über den Felsgrund. Das sind riesige Mengen gefrorenen Wassers: Rings um den Südpol lagern sieben Zehntel der weltweiten Süßwasservorkommen. Welche Geheimnisse der Eispanzer birgt und wie er sich in Zukunft entwickeln wird, versuchen Glaziologen mit vielfältigen Methoden herauszufinden.

Die Dicke des Eises und die Geschwindigkeit, mit der es sich verändert, untersucht man mit Satelliten, sagt Hans Oerter vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Dazu werde die Gletscheroberfläche mit Radar- und Laserstrahlen abgetastet. "An einzelnen Stellen am Boden kontrollieren wir mit Stangen im Eis, ob die Satelliten präzise messen", berichtet der Polarforscher. Auch Satellitendaten zur Bestimmung der Erdanziehung helfen, den Veränderungen des Eisschilds auf die Spur zu kommen. Die Dicke der Gletscher wird per Radar von Flugzeugen oder Landfahrzeugen aus ermittelt.

Die meisten Wissenschaftler vermuten, dass die Eismasse des Antarktischen Kontinents in den letzten Jahren geschrumpft ist. Doch was die genauen Zahlen angeht, tappen die Experten im Dunkeln. 2007 zogen die britischen Polarforscher Andrew Shepherd und Duncan Wingham im Magazin Science eine Bilanz darüber, was die Fachwelt über die Entwicklung des Eisschilds zu wissen glaubt. Ob die Eismasse in den Jahren 1992 bis 2006 abgenommen habe, sei unklar, berichteten sie.

Die Spanne der Resultate reichte von einem jährlichen Zuwachs um 42 Milliarden Tonnen bis zu einem Verlust von 139 Milliarden Tonnen. Zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels könnte der antarktische Eisschild – wenn er denn schrumpft – mit bis zu vier Millimetern pro Jahrzehnt beitragen.

Als mögliche Ursache für den Eisverlust gelte nicht etwa Tauwetter, sondern das beschleunigte Fließen von Gletschern der Westantarktis, sagt der AWI-Experte Oerter. Manche Forscher vermuten, dass aus der Erde aufsteigende Wärme einige Gletscher ins Rutschen gebracht hat. Andere halten die kleineren Eisströme der Antarktischen Halbinsel für mögliche Quellen zusätzlichen Schmelzwassers. Vor wenigen Tagen zerbrach dort erneut ein Stück des Wilkins-Eisschelfs. Weil die Eisschelfe jener Region sich zunehmend auflösen, rutschen die dahinter gestauten Gletscher immer schneller ins Meer.